Stockholm - Eines der vier Todesopfer des mutmaßlichen Terroranschlags in Stockholm ist identifiziert. Die Ermittler hätten die Angehörigen benachrichtigt, sagte eine Polizeisprecherin am Samstagabend der Deutschen Presse-Agentur.

Zu Geschlecht und Alter des Opfers wollte die Sprecherin keine Angaben machen. Informationen über die anderen drei Opfer werde die Polizei erst herausgeben, wenn die Angehörigen informiert seien.

Interesse an IS-Miliz

Zwei Tage nach dem Lkw-Anschlag hat die schwedische Polizei nähere Informationen über den mutmaßlichen Attentäter veröffentlicht: Es handle sich um einen Usbeken, der in der Vergangenheit Interesse für Extremistengruppen wie die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gezeigt habe, teilte die Polizei am Sonntag in Stockholm mit. Der Mann habe 2014 Bleiberecht in Schweden beantragt; dieser Antrag sei im Juni 2016 abgelehnt worden.

Der Usbeke war am Freitagabend wenige Stunden nach der Tat festgenommen worden. „Nichts besagt, dass wir die falsche Person festgenommen haben“, betonte Reichspolizeichef Dan Eliasson. Man könne aber noch nicht ausschließen, dass mehrere Menschen an der Tat beteiligt waren. Derzeit würden das Telefon des Verdächtigen und seine Aktivitäten in sozialen Netzwerken untersucht, teilten die Ermittler mit.

Verdächtiger war der Polizei bekannt

Am Freitag war ein Lastwagen in der Einkaufsstraße Drottninggatan im Zentrum der schwedischen Hauptstadt in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gefahren. Dabei wurden vier Menschen getötet und mindestens 15 weitere verletzt. Acht der Verletzten waren nach Angaben der Ermittlungsbehörden am Samstagnachmittag noch im Krankenhaus.

Der Verdächtige war der Polizei seit dem Vorjahr namentlich bekannt. „Wir konnten keine Verbindungen zu extremistischen Milieus bestätigen“, sagte Anders Thornberg von der schwedischen Sicherheitspolizei mit Blick auf die damaligen Untersuchungen. Nach dem Anschlag in Stockholm gebe es genügend Verdachtsmomente, um den Mann festzuhalten. Schwedischen Medien zufolge wurde der Mann in einem Geschäft in Märsta nördlich der Hauptstadt festgenommen.

Auch Schwedens König Carl XVI. Gustaf verurteilte den Anschlag

Die Polizei teilte mit, auf dem Fahrersitz des Tatfahrzeugs sei „ein technisches Gerät“ gefunden worden. Um was es sich genau handelte, solle nun eine Untersuchung klären, so Eliasson. Medien hatten spekuliert, es könne eine Bombe sein.

Schwedens König Carl XVI. Gustaf verurteilte den Lkw-Anschlag am Samstagnachmittag als „verachtenswürdig“. Doch ihm gebe Hoffnung, „dass all diejenigen unter uns, die helfen wollen, viel zahlreicher sind als diejenigen, die uns schaden wollen“, sagte der Monarch vor dem Königspalast in der Hauptstadt. Zudem lobte das Staatsoberhaupt Polizei und Rettungsdienste für ihre „tolle Arbeit“.

Carl Gustaf und seine Frau, Königin Silvia, hatten nach dem Vorfall eine Brasilien-Reise abgebrochen und waren nach Schweden zurückgekehrt. Der Anschlag hat nicht nur Stockholm, sondern das gesamte nordeuropäische Land tief erschüttert. Das öffentliche Leben kam weitgehend zum Erliegen.

Polizei ist weiterhin in Alarmbereitschaft

Der Lastwagen wurde in der Nacht zum Samstag abgeschleppt und soll nun kriminaltechnisch untersucht werden. Tatort und Umgebung blieben zunächst abgesperrt. Die schwedischen Behörden sind weiter in Alarmbereitschaft. Zehn Tage lang sollen alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven.

In der Einkaufsstraße Drottninggatan hatte es bereits im Dezember 2010 einen Anschlag gegeben. Damals explodierte dort ein Auto, während sich fast zur gleichen Zeit an einer anderen Straße im Zentrum Stockholms ein 28-jähriger Schwede irakischer Abstammung in die Luft sprengte. Zwei Passanten wurden leicht verletzt. Auch der Mord an dem damaligen schwedischen Regierungschef Olof Palme 1986 hatte sich ganz in der Nähe abgespielt.

„Fühle große Trauer und Leere“

Für die Opfer des Lkw-Anschlags soll es am Montagmittag eine Gedenkfeier und eine landesweite Schweigeminute geben, kündigte Löfven an, nachdem er einen Strauß roter Rosen in der Nähe des Tatorts niedergelegt hatte. Nun müssten er und seine Landsleute versuchen, ihre Wut in etwas Konstruktives zu verwandeln. „Wir sind eine offene, demokratische Gesellschaft, und das werden wir auch bleiben.“

Schwedens Kronprinzessin Victoria (39) und ihr Mann Prinz Daniel (43) legten am Tag nach dem Lkw-Anschlag in der Nähe des Tatorts ebenfalls rote Rosen nieder. „Ich fühle große Trauer und Leere“, sagte die Thronfolgerin laut Boulevardzeitung „Aftonbladet“. „Aber ich fühle trotzdem eine Stärke, denn die Gesellschaft hat mit enormer Kraft gezeigt, dass wir uns dem hier entgegensetzen.“ (dpa, afp)