Köln - Seit Jahren wird der Salafisten-Prediger Sven Lau beobachtet, jetzt hat der Generalbundesanwalt gehandelt. Lau ist am Dienstag wegen Unterstützung islamistischer Terrorgruppen in Syrien festgenommen worden. Er soll von Deutschland aus die syrische Organisation Jamwa aus dem Umfeld der IS-Miliz unterstützt haben, teilte die Bundesanwaltschaft nach Laus Verhaftung in Mönchengladbach mit.

Noch am Dienstag sollte Lau vor den Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof kommen. Laus Anwalt wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Laut den Ermittlern hat Lau, der als ein führender Kopf der Salafisten-Szene in Nordrhein-Westfalen gilt, mehrere junge Männer an Kampfeinheiten in Syrien vermittelt sowie Geld und Ausrüstung beschafft. Der 35-Jährige sei eine Anlaufstelle für kampf- und ausreisewillige Islamisten in und um Düsseldorf gewesen. So habe er im Sommer 2013 zwei Männer an eine Kampfeinheit der Jamwa, eine Abkürzung für „Armee der Auswanderer und Helfer“, vermittelt. Einer wurde voriges Jahr verurteilt.

Ermittlungen seit Februar 2014

Erst in der vorigen Woche hatte das Landgericht Wuppertal Lau noch freigesprochen: Dass er 2014 mit anderen Männern in Warnwesten als selbsternannte „Scharia-Polizei“ patrouilliert hatte, habe nicht militant gewirkt und sei daher nicht strafbar. Zur jetzigen Festnahme erklärte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD), Lau sei seit Jahren im Visier der Behörden. Er dürfte viele junge Leute in den Extremismus gelockt haben.

Der Verfassungsschutz hält den Salafismus für die am schnellsten wachsende islamistische Bewegung. In Deutschland gebe es rund 8350 Anhänger, sagte eine Sprecherin der Berliner Zeitung. Man zähle 1100 Islamisten zum „terroristischen Personenpotenzial“, verglichen mit 7600 gewaltorientierten Links- und 10.500 gewaltorientierten Rechtsextremisten. Insgesamt hätten sich rund 700 Islamisten aus Deutschland dem IS in Syrien angeschlossen.
Gegen den Salafisten-Prediger Lau wird bereits seit Februar 2014 ermittelt.

Da der Generalbundesanwalt den Terrorverdacht damals noch für zu vage hielt, folgte zunächst die Staatsanwaltschaft Stuttgart dem Verdacht, Lau habe Deutsche zum Wehrdienst in einer militärischen Einrichtung angeworben. Nach drei Monaten in Untersuchungshaft war Lau aber freigelassen und die Ermittlung zunächst eingestellt worden. Im April entzog Mönchengladbach Lau den Reisepass, damit er nicht zum Kampf nach Syrien gehen kann. Lau kam 1980 in einem katholischen Elternhaus zur Welt und konvertierte Ende der 90er-Jahre zum Islam. Er sei für mehrere extremistische Organisationen aktiv gewesen sein, so der Generalbundesanwalt.