London/Brüssel - Der Rücktritt der britischen Premierministerin Theresa May kommt angesichts der Brexit-Blockade in London nicht unerwartet. Vor allem aufseiten der Europäischen Union reagierten am Freitag viele Politiker mit Respekt, dass die konservative Regierungschefin überhaupt so lange durchgehalten hat. Laut wurde aber auch neue Sorge vor einem chaotischen britischen EU-Austritt. Ein Überblick:

Mays innerparteilicher Widersacher und möglicher Nachfolger, der ehemalige britische Außenminister Boris Johnson erklärte auf Twitter: „Eine sehr würdevolle Erklärung von Theresa May. Danke für deinen stoischen Dienst für unser Land und die Konservative Partei.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft auf eine gute Zusammenarbeit auch mit dem dann nachfolgenden Premierminister in Großbritannien. „Ich respektiere natürlich diese Entscheidung, habe immer sehr gut mit der britischen Premierministerin Theresa May zusammengearbeitet“, sagte die CDU-Politikerin am Rande eines Besuchs der Technischen Universität in München.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ließ mitteilen, er habe Mays Erklärung „ohne Freude“ verfolgt. „Theresa May ist eine mutige Frau, für die er großen Respekt hat.“

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz schrieb auf Twitter: „Ich hoffe, dass sich - unabhängig von ihrer Rücktritts-Mitteilung - in Großbritannien die Vernunft durchsetzt.“

Der niederländische Regierungschef Mark Rutte twitterte: „Der zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ausgehandelte Austrittsvertrag für einen geordneten Brexit liegt weiter auf dem Tisch.“

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez erklärte über eine Sprecherin: „Ein harter Brexit erscheint unter diesen Umständen als eine Realität, die kaum noch aufzuhalten ist. Die Regierung und das britische Parlament sind die einzigen Verantwortlichen für einen Austritt ohne Abkommen und dessen Konsequenzen.“

Ähnlich sieht das der CDU-Europapolitiker Elmar Brok in der „Heilbronner Stimme“: „Angesichts der handelnden Personen und des zeitlichen Ablaufs fürchte ich, dass der harte Brexit unausweichlich ist.“

Der sozialdemokratische Fraktionschef im Europaparlament, Udo Bullmann, meinte: „Die einzige Lösung für das Brexit-Dilemma ist eine engere Zusammenarbeit mit Labour oder eine erneute Volksbefragung.“

Grünen-Europapolitikerin Franziska Brantner kritisierte: „Für die EU steigt die Unsicherheit, da völlig offen ist, ob und wie ein möglicher neuer Premierminister mit dem Austrittsabkommen umgehen wird. Es ist jetzt Aufgabe der EU, sich von den innerbritischen konservativen Volten nicht aus der Ruhe bringen zu lassen“.

 Der Chef der Brüsseler Denkfabrik European Policy Centre, Fabian Zuleeg, sagte der Deutschen Presse-Agentur zum Risiko eines ungeregelten Brexits: „Die Wahrscheinlichkeit war und ist immer noch hoch.“

Zum möglichen May-Nachfolger Johnson erläuterte der Politikwissenschaftler Nicolai von Ondarza von der Stiftung Wissenschaft und Politik: „Boris Johnson ist mit Abstand der beliebteste konservative Politiker innerhalb der Basis der konservativen Partei. Aber Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.“ (dpa)