Bocholt - Nach den Hassmails gegen den Bocholter SPD-Chef Thomas Purwin und seine Familie hat die Polizei noch keinen konkreten Tatverdacht. Die Ermittlungen seien sehr schwierig, weil die Mails über Computer-Adressen aus dem Ausland verschickt worden seien, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch in Münster. Es müsse zunächst geklärt werden, von wo aus die Mails tatsächlich verschickt worden seien.

Weil es bei den Beschimpfungen um einen Politiker gehe, könne auch ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden.

Fremdenfeindliche Mails auch an andere Bocholter Politiker

Der 35-jährige Vorsitzende der SPD in Bocholt hatte am Dienstag seinen Rücktritt erklärt. Die Verfasser der Hassmails hätten „eine Grenze überschritten“, nachdem sie unter anderem auch seiner Tochter gedroht hätten. Purwin und andere Bocholter Kommunalpolitiker hatten in den vergangenen Monaten immer wieder Hassmails mit fremdenfeindlichem Charakter erhalten.

NRW-Innnenminister Ralf Jäger rät zur Anzeige

Hassmails sollten nach Ansicht von Innenminister Ralf Jäger (SPD) konsequent angezeigt werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass eine gewisse Sensibilität da ist, auch unter ehrenamtlichen Kommunalpolitikern, alles zur Anzeige zu bringen“, sagte Jäger am Mittwochmorgen in Düsseldorf dem WDR. „Nur dann kann man möglicherweise den einen oder anderen tatsächlich dingfest machen und damit auch ein Beispiel liefern, dass wir so etwas in der Demokratie nicht durchgehen lassen“, sagte der SPD-Politiker. 

Ähnlich hatte sich auch CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach geäußert, der selber inzwischen öfter Anzeige bei der Polizei erstattet, wenn er Drohungen erhält. (dpa)