Berlin - Vor Ort, als nach Einbruch der Dunkelheit ein Lichtermeer aus Kerzen den Erfurter Domplatz erleuchtete, erschien die Aktion der Thüringer CDU noch als überaus gelungen. Ganze 4000 Menschen waren gekommen, um gegen eine Landesregierung unter Führung der Linkspartei zu demonstrieren. Vor allem, weil es sich dabei um die Nachfolgepartei der SED handelt. Viele ältere Demonstranten erinnerten friedlich an DDR-Unrecht, Ost-Bürgerrechtler und Künstler Matthias Büchner hielt eine Rede, aber auch junge Eltern mit Kindern zeigten sich „verletzt und betroffen“, wie es bei der Kundgebung hieß. Und das am 9. November, dem Jahrestag des Mauerfalls in Berlin.

Tags darauf erschien das Ganze schon nicht mehr so gelungen: Videos und Fotos von der Demonstration zeigen, dass auch Neonazis und Anhänger der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland mitliefen. Laut Erfurts Polizeisprecher Dominique Schuh nahmen auch Mitglieder der rechtsextremen Freien Kräfte und der NPD-Jugendorganisation teil. Gegendemonstranten wurden angefeindet. Es wurde skandiert „Stasi raus!“, aber auch „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Und das am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht.

„Das ist ein merkwürdiges Demokratieverständnis“

Nicht nur die Linkspartei befand an diesem Montag, dass die Thüringer Union – die zu der Demo unter dem Titel „Wir verwandeln den Domplatz in ein Lichtermeer gegen Rot-Rot-Grün“ aufgerufen hatte – damit ein veritables Eigentor geschossen hat. „Der CDU war es wichtiger, gegen die Linke zu demonstrieren, als zu verhindern, dass sie Seit’ an Seit’ mit AfD und NPD marschiert“, sagte die Fraktionsgeschäftsführerin der Linken im Bundestag, Petra Sitte: „Das ist ein merkwürdiges Demokratieverständnis und es ist interessant, dass ausgerechnet diese CDU meint, sie müsse uns belehren.“ Die Piratenpartei und die Grüne Jugend kritisierten die Demo als „Geschmacklosigkeit“.

Weil bei der Demo auch einige enttäuschte Sozialdemokraten mitliefern, die als Rot-Rot-Grün Gegner bei der parteiinternen Abstimmung deutlich unterlagen, äußert sich die Thüringer SPD zwar zurückhaltender. In einer Demokratie könne jeder seine Meinung äußern, sagte der designierte Landeschef Andreas Bausewein.

Entsprechend konsterniert ist nun die Thüringen-CDU. „Der Versuch, nun 4000 Demokraten mit 30 Extremisten in einen Topf zu werfen, ist allzu durchsichtig“, sagte Thüringens CDU-Generalsekretär Mario Voigt dieser Zeitung.