Die Zeiten werden ungemütlich. Und die Eichhörnchen scheinen das wie jedes Jahr sehr genau zu wissen. Wer in diesen Tagen nach einem Beispiel für unbändigen Arbeitseifer sucht, braucht die kleinen Nager nur beim Anlegen ihres Wintervorrats zu beobachten. Unermüdlich rennen sie zwischen Nussbäumen und geeigneten Verstecken hin und her, ständig mit einem neuen nahrhaften Schatz zwischen den Zähnen. Zwar werden sie nur einen Teil davon wiederfinden. Doch das genügt, um den nächsten Monaten gelassen entgegenzusehen. Trocken und einigermaßen warm werden sie in ihrem Nest mit den dicken Wänden aus Zweigen und den weichen Polstern aus Gras und Moos hocken. Und wenn der Magen knurrt, werden sie herauskommen und sich aus einem ihrer Depots einen Snack holen.

Auf ganz ähnliche Weise bereiten sich auch etliche Vögel auf die kargen Monate vor. So kann ein einzelner Eichelhäher in wenigen Wochen bis zu 5000 Eicheln verstecken. Der in den Alpen lebende Tannenhäher legt sogar bis zu 10000 verschiedene Lager mit den Samen der Zirbelkiefer an. Sich die alle zu merken, scheint fast unmöglich zu sein. Doch die geflügelten Vorratssammler haben ein erstaunlich gutes Gedächtnis und finden rund 80 Prozent ihrer Verstecke wieder.

Zehn Zentimeter Fettschicht

Allerdings müssen sie jederzeit damit rechnen, dass so eine Schatzkammer von Plünderern ausgeräumt wird. Also deponieren andere Arten ihre Vorräte lieber im eigenen Körper. Für die nordamerikanischen Schwarzbären zum Beispiel wird Fressen im Herbst zum Fulltime-Job. Unermüdlich stopfen sie Nüsse und Beeren, Eicheln und Kiefernsamen in sich hinein. Bei ihren üppigen Mahlzeiten kommen sie auf rund 20000 Kilokalorien am Tag – das ist fast das Zehnfache dessen, was ein Mensch mit einem Bürojob ungefähr verbraucht.

Kein Wunder, dass sich das in der Figur niederschlägt: Zehn Zentimeter Fett und mehr bekommt so ein Bär vor dem Winter zusätzlich auf die Rippen, oft wiegt er rund 30 Prozent mehr als im Frühling. Irgendwann im Oktober oder November aber ist es dann plötzlich vorbei mit dem großen Hunger. Der Körper schüttet das Hormon Leptin aus, das wie ein Appetitzügler wirkt. Dann ziehen sich die Tiere in ihre Höhle zurück, um zwischen drei und fünf Monate lang zu schlafen. Damit der Fettvorrat auch bis zum Frühjahr reicht, drosseln sie ihren Stoffwechsel auf rund ein Viertel der sommerlichen Werte. Statt 40 bis 50 Mal schlägt ihr Herz dann nur noch 8 Mal pro Minute. Allerdings fällt ihre Körpertemperatur trotz aller Sparmaßnahmen nicht unter 30 Grad.

„Früher hätte man das gar nicht als Winterschlaf gelten lassen“, sagt Walter Arnold von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Denn nach klassischer Definition muss die Körpertemperatur dabei auf unter zehn Grad sinken. Das gilt inzwischen allerdings als überholt, Biologen haben keinen Zweifel mehr daran, dass auch Schwarzbären echte Winterschläfer sind.

Körper auf Sparflamme

Kleinere Säugetiere drosseln ihre Lebensfunktionen allerdings deutlich stärker. Murmeltiere zum Beispiel überwintern in Gruppen aus bis zu 20 Schläfern. Wenn sie zusammengekuschelt in einem mit Heu gepolsterten Schlafkessel metertief unter der Erde liegen, atmen sie nur noch zwei Mal pro Minute. Ihr Herz schlägt in der gleichen Zeit nur noch 20 statt 200 Mal, ihr Energieverbrauch sinkt auf drei bis fünf Prozent ihres sommerlichen Niveaus. Und ihr Körper kann auf bis zu 2,6 Grad abkühlen. In ähnliche Bereiche kommen auch Siebenschläfer, die ihren Herzschlag von 300 auf fünf Schläge pro Minute und ihre Temperatur auf fünf Grad absenken.

Allerdings können sie nicht bis zum Frühjahr durchgehend in diesem Extremzustand bleiben. Alle Winterschläfer wachen zwischendurch immer wieder für ein paar Stunden auf und heizen ihren Körper hoch. Das aber verbraucht sehr viel Energie. Entsprechend leisten sich fettere Siebenschläfer solche Wärmeperioden deutlich häufiger als ihre dünneren Artgenossen, haben Claudia Bieber von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und ihre Kollegen beobachtet. Doch wozu das Ganze? „Wir vermuten, dass diese Phasen dazu dienen, den Körper vor Schäden zu schützen“, sagt die Forscherin. Wer seinen Stoffwechsel auf Sparflamme schaltet, schwächt zum Beispiel sein Immunsystem, möglicherweise drohen auch noch andere körperliche Problem. Wie genau diese Risiken aussehen, ist noch unklar.

Ob sich eines Tages auch Menschen in Winterschlaf versetzen lassen können, etwa um zu fernen Planeten zu reisen, lässt sich daher noch nicht absehen. Ansonsten aber hoffen Mediziner, von den tierischen Winterschläfern noch einiges lernen zu können. Zum Beispiel, wie ein Schwarzbär monatelang in seiner Höhle liegen kann, ohne anschließend unter Knochenabbau und Muskelschwund zu leiden. Menschliche Patienten, die lange das Bett hüten müssen, können davon nur träumen.