Berlin - Das Saarland ist mal wieder in aller Munde. Und diesmal bitte keine Witze! Von wegen Größenvergleich oder „Jeder kennt jeden“ oder „Alle verwandt“. Es ist durchaus eine ernste und allemal bemerkenswerte Sache, die sich Landesvater Tobias Hans (CDU) da überlegt hat. Der 43-jährige Ministerpräsident des kleinsten aller Flächenländer will in einer Zeit, in der die meisten seiner Amtskollegen über sich ausbreitende Mutationen und verschärfte Lockdown-Szenarien sprechen, einen Sonderweg beschreiten. 

Wohl auch mit Blick nach Tübingen und Rostock kündigt Hans für das Saarland an, nach Ostern aus dem Corona-Lockdown aussteigen zu wollen. Vom 6. April an sollen Kinos, Fitnessstudios und Außengastronomie wieder öffnen. Voraussetzung sei ein tagesaktueller negativer Schnelltest, sagte Hans am Donnerstag und verwies auf die lang anhaltenden Einschränkungen, die die Menschen an ihre Grenzen brächten. Wobei er mit der Maßgabe des Schnelltests, ohne den niemand auch nur irgendwo reinkommt, selbst schon die erste große Einschränkung macht. Dennoch: „Ab dem 6. April wird wieder mehr privates, wieder mehr öffentliches Leben möglich sein“, verspricht der Regierungschef, der vor drei Jahren die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer angetreten hatte. Auch bei den Kontaktbeschränkungen werde gelockert.

Bei solchen Szenarien gereicht dem Saarland seine so oft belächelte Größe zum Vorteil. Der CDU-Politiker, der bei den Ministerpräsidentenkonferenzen nicht eben in den Vordergrund drängte, will ein Modellprojekt wagen, nicht nur für eine Stadt, sondern für ein ganzes Bundesland – „mit strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept, um einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens zu öffnen“. Das Saarland habe da beste Voraussetzungen: Die Sieben-Tage-Inzidenz sei eine der niedrigsten bundesweit, es gebe eine gute Test-Infrastruktur und eine Impfquote von 11,4 Prozent bei den Erstimpfungen.

Dennoch erstaunt der plötzliche Sinneswandel des jüngsten aller Ministerpräsidenten. Noch vor der MPK am Montag hatte sich Hans für eine Fortsetzung des Lockdowns ausgesprochen, dafür, die Kontaktbeschränkungen nicht weiter aufzuheben. Seinen Sonderweg versieht er denn auch mit einem nicht ganz unerheblichen Zusatz: Die Öffnungsschritte gelten nur, sofern die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. Und was die Inzidenzen angeht, lässt ein Blick ins angrenzende Frankreich und die sich dort verbreitenden südafrikanischen und brasilianischen Corona-Mutanten nichts Gutes erahnen. Tobias Hans aber twittert unverdrossen: „Es besteht Anlass zur Zuversicht.“