Paris - Eine Beerdigung? „Wie schrecklich! Lieber sterbe ich.“ Es war eine typische Antwort à la Karl Lagerfeld, die der Modeschöpfer, im vergangenen April, nicht einmal ein Jahr vor seinem Tod am Dienstag in einem Interview mit dem Magazin „Numéro“ gab.

Schon vor vier Jahren sagte der Designer zum Thema Beerdigung, er finde es furchtbar, „die Leute mit seinen Resten zu belasten“ und wolle „einfach verschwinden wie die Tiere im Urwald“. Seine Mutter habe ihn beim Tod seines Vaters nicht über dessen Beerdigung informiert und selbst bei ihrem Begräbnis war er ihrem Willen entsprechend nicht anwesend.

Katze Choupette kann nicht Erbin werden

Vorgesorgt habe er allerdings, verriet Lagerfeld gegenüber „Numéro“: „Ich will, dass man mich verbrennt und meine Asche mit der meiner Mutter zerstreut. Und der von Choupette, falls sie vor mir stirbt.“

Wie die Zeitung „Le Monde“ schrieb, soll seine Asche außerdem mit Teilen jener seines früheren Lebenspartners Jacques de Bascher vermengt werden, der 1989 an Aids starb. Lagerfelds Birma-Katze Choupette, auf deutsch „Süße“, die er 2011 vom Model Baptiste Giabiconi bekommen hatte, überlebte den Kreativdirektor von Chanel.

Lagerfeld soll Bauchspeicheldrüsenkrebs gehabt haben

Ausführlich und ohne Kenntnis des Testamentes setzten sich die französischen Medien mit der Frage auseinander, ob das Tier als rechtmäßige Erbin vom Millionenvermögen ihres Besitzers sein könnte. Ein Konto auf ihren Namen besitzt Choupette, der er die Rechte für ein Buch und Werbeverträge überließ. In Frankreich, wo Lagerfeld seit 1952 lebte und seinen festen Wohnsitz hatte, kann allerdings – ebenso wie in Deutschland – nur eine physische oder juristische Person erben.

Geeignet wären eine Stiftung oder ein Verein, um gegebenenfalls das Erbe entgegenzunehmen – oder eine Vertrauensperson für Choupette. „Wenn mir etwas passiert, wird die Person, die sich um sie kümmert, keine Not leiden“, hatte Lagerfeld versprochen.

Verschiedene Medien berichteten, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war, doch seine zunehmende Schwäche sei ein großes Tabu gewesen. Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy), zu dem auch Lagerfelds Arbeitsgeber Fendi gehört, hatte erklärt, er wolle nicht mal über Lagerfelds Nachfolge nachdenken, niemand würde darüber sprechen. „Der einzige, der Karl ähnelt, ist der Papst“, so Arnault.

Lagerfeld kämpfte lange gegen Krankheit

„Er hat seinen Kampf gegen die Krankheit nie aufgegeben“, zitieren französischen Medien eine anonyme Quelle aus seinem engeren Umfeld. „Karl lebte sehr gesund, er war stolz darauf. Zu wissen, dass er Bauchspeichelkrebs hatte, war deshalb ein echter Schock.“ Noch im November trat er bei der Einweihung der traditionellen Weihnachtsbeleuchtung auf den Champs-Élysées in Paris auf, allerdings erkennbar geschwächt.

Viele beunruhigte, als er am Ende der Chanel-Schau bei der Fashion Week in Paris Ende Januar zum ersten Mal seit seinem Start bei der französischen Luxusmarke im Jahr 1982 nicht persönlich das Publikum grüßte.

Virginie Viard übernimmt die kreative Leitung

An seine Stelle trat Virginie Viard, die wenig bekannte bisherige Studioleiterin von Chanel, die seit 30 Jahren als rechte Hand und unverzichtbare Mitarbeiterin von „Kaiser Karl“ galt. Über ein Kommuniqué ließ das Traditionshaus wissen, man habe ihr die kreative Leitung der Kollektionen übertragen, „um das Erbe von Gabrielle Chanel und von Karl Lagerfeld weiterleben zu lassen“.

Bislang ließ sie anhand von Lagerfelds Skizzen Schnittmuster erstellen und beaufsichtigte die Arbeit in den Ateliers. „Virginie bringt eine dritte Dimension hinzu, sie gibt den Dingen eine Realität. Ich bin wie ein Grafiker, sie hat das magische Auge“, sagte Lagerfeld über sie. Nun wird ihr Auge allein über die Entwürfe des Chanel-Imperiums herrschen.