In Indien toben seit Wochen heftige Auseinandersetzungen. 
Foto: dpa/Javed Dar

BerlinNach den schwersten Ausschreitungen seit Jahrzehnten in der indischen Hauptstadt Neu Delhi ist die Zahl der Toten laut der Nachrichtenagentur dpa weiter gestiegen. Inzwischen seien mindestens 32 Menschen ihren Verletzungen erlegen, sagten Sprecher zweier staatlicher Krankenhäuser am Donnerstag. Dazu kämen rund 200 Verletzte. Nach Angaben der Polizei ist die Lage inzwischen unter Kontrolle. 

Hintergrund der Gewalt sind massive Spannungen zwischen der Hindu-Mehrheit und der muslimischen Minderheit, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Indien kommt nicht zur Ruhe, seit Premierminister Narendra Modi ein Einbürgerungsgesetz durchgedrückt hat, das nach Ansicht von Kritikern Muslime diskriminiert.

Modis populistische Partei hat vor allem die Interessen der Hindus im Sinn, die 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Besonders der Nordosten der Hauptstadt Neu-Delhi ist diesmal von Gewaltausbrüchen betroffen, berichtet die dpa. Dort wohnen besonders viele Muslime. Seit Wochenbeginn gingen verschieden Gruppen mit Steinen und Stöcken aufeinander los.

Lesen Sie auch: Geopolitik: Trump-Besuch: Indien entpuppt sich als komplizierter Partner >> 

Sie setzten Moscheen, Läden, Häuser und Autos in Brand, wie Fernsehbilder zeigen. Rund 200 Menschen seien verletzt worden, hieß es am Mittwoch von einem großen örtlichen Krankenhaus. Auslöser des Gewaltausbruchs war eine Rede eines Politikers der hindunationalistischen Regierungspartei von Premier Modi.

Darin forderte er die Polizei auf, friedliche muslimische Demonstrantinnen, die ohne Genehmigung den Eingang einer Metrostation blockierten, zu entfernen – sonst würde das Volk das tun.

Seit Wochen Protesten gegen das Einbürgerungsgesetz

Oppositionspolitiker kritisierten, dass solche Reden zunehmend Hass gegen Muslime schürten. Generell fühlen sich viele Muslime in Indien zunehmend unwohl. Sie sind die größte Minderheit und machen rund 14 Prozent der Bevölkerung aus. Innenminister Amit Shah etwa nannte Muslime schon „Termiten“.

Seit Wochen demonstrieren Zehntausende gegen das Einbürgerungsgesetz, das vielen illegal eingereisten Migranten aus drei mehrheitlich muslimischen Nachbarländern die Einbürgerung erleichtert – sofern sie keine Muslime sind.

Donald Trump unbeeindruckt von der Gewalt 

Bei einigen Protesten gab es Gewalt und Tote. Besonders brutal gingen Menschen am Dienstag während des Staatsbesuchs von US-Präsident Donald Trump aufeinander los. Der Regierungschef der Hauptstadt, Arvind Kejriwal, rief Premierminister Modi auf, das Militär zur Hilfe zu schicken. Modi hingegen versuchte zu beschwichtigen. Er rief die Bürger der Hauptstadt am Mittwoch auf Twitter auf, friedlich zu sein.

Die Politiker seiner Partei warfen ihrerseits der Opposition vor, zur Gewalt angestachelt zu haben. Sie hätte das Bild Indiens während des Besuchs von Trump beschmutzen wollen. Doch Trump ließ sich von der Gewalt nicht beeindrucken. Modi habe ihm versichert, dass es in Indien Religionsfreiheit gebe, sagte der US-Präsident.