Einsatzkräfte vor dem St.-George-Krankenhaus in St. Petersburg
Foto: AP/Dmitry Lovetsky

MoskauAm Dienstagmorgen sind bei einem Brand in einem Sankt Petersburger Krankenhaus fünf Menschen ums Leben gekommen. Menschen, die vom Coronavirus geheilt werden sollten und nun durch ein Feuer starben. Die Flammen erfassten zehn Quadratmeter einer Intensivstation des St.-George-Krankenhauses. Elf Covid-19-Patienten konnten gerettet werden, fünf kamen um. Sie alle waren an Geräte zur künstlichen Beatmung angeschlossen. 

Der Tod kam offenbar aus dem Respirator. „Eines der Beatmungsgeräte flammte förmlich auf, danach breitete sich sofort Rauch aus“, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Tass. Laut der Internetzeitung gazeta.ru starben vier Opfer an Rauchvergiftung, einer erstickte. Sein Beatmungsgerät soll gestreikt haben. Insgesamt wurden 150 Kranke evakuiert. Das gesamte Krankenhaus dient derzeit als Corona-Hospital.

Schlimmeres wurde offenbar durch das schnelle Eingreifen des Pflegepersonals und der Löschmannschaften verhindert, die nach sechs Minuten aus einer nahen Feuerwehrwache eintrafen. Das Ermittlungskomitee von Sankt Petersburg hat ein Strafverfahren wegen „fahrlässiger Tötung von zwei oder mehr Personen“ eingeleitet.

Die Opfer im Sankt Petersburger Krankenhaus sind nicht die einzigen der vergangenen Tage. Am Sonnabend kam bei einem Brand im Moskauer Krankenhaus Nummer 50 ein weiterer Coronavirus-Patient ums Leben, drei wurden verletzt. Anfangs hieß es, persönliche Kleidungsstücke eines der Kranken seien in Flammen geraten. Später sagte ein anonymer Beamter des Rettungsdienstes gegenüber Tass, auch hier sei ein Defekt an einem Beatmungsgerät die Brandursache gewesen. Wie in Moskau soll in Sankt Petersburg nach Angaben des örtlichen Katastrophenschutzes ein Kurzschluss den Sauerstoff in dem Apparat entzündet und eine Stichflamme verursacht haben.

Als weitere Versionen werden an beiden Brandorten die Überlastung eines Beatmungsgerätes oder seine unsachgemäße Bedienung gehandelt. Der staatliche TV-Sender NTW berichtet unter Berufung auf eine Polizeiquelle, beide Unglücksapparate seien in der „Uraler Instrumentenfabrik“ bei Jekaterinburg hergestellt worden. Das St.-George-Krankenhaus hatte laut dem Rechercheportal fontanka.ru im vergangenen Monat 237 Beatmungsgeräte bei der Fabrik für umgerechnet fünf Millionen Euro gekauft.

Ende April hatte der russische Präsident Wladimir Putin verkündet, Russland werde die Produktion der Apparate zur künstlichen Beatmung von knapp 70 Stück im Januar auf 2500 im Mai steigern. „Diese Eile kann Probleme schaffen“, kommentierte das sibirische Portal 4-S Info. Defekte und Kurzschlüsse seien nicht auszuschließen.

Der Duma-Abgeordnete und Mediziner Alexej Kurinny sagte gazeta.ru, womöglich handle es sich bei den Geräten aus der Uraler Fabrik um alte Fabrikate. „Zu sagen, es gäbe genügend Geräte, wäre geheuchelt.“ Die Krankenhäuser seien gezwungen, uralte ebenso wie brandneue Apparate zu verwenden.

Mitte April meldete die Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta, ein Krankenhaus in der Stadt Wladimir sei mit 50 Beatmungsgeräten beliefert worden, deren Haltbarkeitsdauer vor 15 Jahren ausgelaufen war. Wenig später zitierte das Nachrichtenportal koza.press David Melik-Gusseinow, Vizegouverneur des Nischegorodsker Gebiets, 300 Apparate aus den medizinischen Beständen der Region hätten sich als defekt erwiesen.

Igor Moltschanow hingegen, Chefanästhesist des Gesundheitsministeriums, versichert, ihm sei nicht bekannt, dass in Russland je ein Atmungsgerät in Brand geraten sei: „Das ist aus dem Reich der Fantasie. Vielleicht war ja eine Steckdose kaputt.“ Nun überprüft die Aufsichtsbehörde Rossdrawnadsor die Qualität der Beatmungsgeräte in den beiden vom Brand betroffenen Krankenhäusern.