Asunción - Die Polizei spricht von einem „Jahrhundert-Raub”: Rund 60 schwerbewaffnete Verbrecher haben bei einem Raubüberfall in Paraguay aus einem Tresor bis zu 30 Millionen Dollar erbeutet.

Die Täter flüchteten nach der Tat in der Stadt Ciudad del Este mit Booten über einen Fluss über die nahegelegene Grenze nach Brasilien. Ein Polizist und drei Täter starben bei Schießereien. Zunächst gelangen nach Angaben nach der brasilianischen Polizei vom Dienstag acht Festnahmen. Zwei Boote und sieben Fahrzeuge wurden beschlagnahmt.

Der Polizist wurde beim Raub des Geldes aus dem Tresor getötet, die Täter auf der Flucht in Brasilien. Zudem gab es mehrere Verletzte. Die Gangster hatten das Lager des Geldtransportunternehmens Prosegur mit Sturmgewehren und Sprengsätzen attackiert und die bisher größte Summe in der Region erbeutet. Andere Bandenmitglieder griffen parallel auch das lokale Polizeipräsidium und das regionale Regierungsgebäude an und setzten mehr als ein Dutzend Fahrzeuge in der Stadt in Brand. Offensichtlich, um die Sicherheitskräfte von dem Überfall abzulenken und um die Verfolgung zu erschweren. Die Gangster verstreuten zudem spitze Metallzinken hinter sich auf der Straße.

Anders als die Polizei, die von 30 Millionen Dollar Beute (rund 28 Mio. Euro) sprach, bezifferte der regionale Prosegur-Chef die Beute auf rund acht Millionen Dollar. Die Tat soll auf das Konto der berüchtigten brasilianischen Verbrecherbande „Primeiro Comando da Capital” (PCC/„Erstes Kommando der Hauptstadt”). Bewohner sprachen von „Krieg”, die Polizeiführung wurde abgesetzt. Die paraguayische Grenzstadt Ciudad del Este ist für kriminelle Geschäfte berüchtigt.

Die brasilianische Polizei stieß einige Stunden nach dem Raub etwa 50 Kilometer nördlich vom Tatort auf eine Gruppe der Bande. Ein Teil der Beute wurde sichergestellt, wie die Zeitung „ABC Color” berichtete. Die Mitglieder waren mit Motorbooten über den Paraná-Fluss nach Brasilien geflüchtet, es wird vermutet, dass die meisten Mitglieder aus dem Raum São Paulo stammen, wo das PCC seine Basis hat.

Die Polizei fand wenige Kilometer vom Tatort entfernt verlassene Autos mit brasilianischer Zulassung, in denen sich Waffen und viel Sprengstoff befanden. Die Ermittlungen weisen auf eine von langer Hand geplante Aktion der Bande PCC hin, wie Polizeisprecher Augusto Lima erklärte. Sie dominiert in vielen Regionen Brasiliens den Drogenhandel. Anfang des Jahres war es zu Gefängnismeutereien mit über hundert Toten gekommen, an denen PCC-Mitglieder beteiligt waren.

Paraguays Staatschef Horacio Cartes ordnete den Einsatz des Militärs bei der Verfolgung der Räuber an, zudem wurde eine Sonderkommission mit Vertretern auch aus Argentinien und Brasilien gebildet. Die Behörden hatten Informationen über die Vorbereitung eines großen Überfalls bekommen, ohne jedoch das Ziel und den Zeitpunkt zu kennen, wie Innenminister Lorenzo Lezcano dem Sender ABC Cardinal erklärte. (dpa)