Tote und Verletzte bei Ausschreitungen in Kasachstan

Bei schweren Ausschreitungen sind im Süden der zentralasiatischen Republik Kasachstan am Samstag mindestens zehn Menschen getötet worden.

Masanchin-Bei Ausschreitungen im Süden Kasachstans sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Mehr als 40 weitere Menschen seien bei den Auseinandersetzungen zwischen Dorfbewohnern am Freitagabend verletzt worden, sagte Innenminister Jerlan Turgumbajew am Samstag in der Hauptstadt Nur-Sultan. 47 Menschen seien nach den Unruhen in der Provinz Schambyl festgenommen worden. Zur Ursache der Unruhen äußerten sich die Behörden nicht, allerdings könnten ethnische Konflikte der Auslöser gewesen sein. 

Kinder laufen durch die Straßen von Masanchi. Mindestens acht Menschen wurden bei Ausschreitungen getötet. 
Kinder laufen durch die Straßen von Masanchi. Mindestens acht Menschen wurden bei Ausschreitungen getötet. Foto: AFP/VYACHESLAV OSELEDKO

Brennende Häuser, bewaffnete Männer

Bei den Auseinandersetzungen in mehreren Siedlungen im Bezirk Kordai wurden laut Turgumbajew 30 Häuser, 15 Geschäfte und 23 Autos beschädigt. Der kasachische Präsident Kassim-Schomart Tokajew berief eine Dringlichkeitssitzung der Regierung ein, in der er erklärte, Polizei und Nationalgarde hätten die Situation „unter Kontrolle“. Die Provinz Schambyl liegt etwa drei Autostunden von Kasachstans größter Stadt Almaty entfernt, nahe der Grenze zu Kirgisistan. Auf Videoaufnahmen in Onlinenetzwerken war zu sehen, wie teilweise mit Knüppeln bewaffnete Männer zwischen brennenden Gebäuden entlanglaufen.

Die Behörden machten keine Angaben zum Auslöser der Unruhen. Allerdings kommt es in der Region regelmäßig zu Zwischenfällen zwischen der kasachischen Bevölkerungsmehrheit und der im 19. Jahrhundert aus China geflohenen muslimischen Minderheit der Dunganen. Ein Vertreter des Dunganen-Verbandes sagte der privaten Nachrichtenagentur Kastag zufolge, junge Männer hätten mehr als zehn Häuser im Dorf Masantschi in Brand gesteckt. Zudem hätten die Angreifer auf Bewohner des Dorfes geschossen. Es wurde eine Untersuchungskommission eingerichtet, die die Ursachen des Konflikts ermitteln soll. Ihr gehören auch Vertreter der Dunganen an. In Masantschi waren nach den Ereignissen der Nacht nur wenige Menschen auf den Straßen unterwegs, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Feuerwehr war noch beschäftigt, letzte Brände zu löschen. Das Dorf wurde von Polizisten und Spezialkräften bewacht. Einige Bewohner suchten in den Überresten ihrer zum Teil abgebrannten Häuser nach ihren Habseligkeiten und bereiteten sich darauf vor, das Dorf zu verlassen.

An der Grenze zu Kirgisistan warteten nach Angaben eines AFP-Reporters mehr als tausend Menschen, um in das ärmere Nachbarland einzureisen. Doch offenbar ließen die Grenzkontrolleure nur Frauen und Kinder durch, wie der Reporter berichtete. In einem Krankenhaus im kirgisischen Tokmak nahe der Grenze wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums insgesamt 18 Menschen nach den Ausschreitungen behandelt. Der stellvertretende kasachische Ministerpräsident Berdibek Saparbajew erklärte, die Schuldigen würden „bestraft“ werden. Jetzt gehe es darum, Stabilität, Recht und Sicherheit in der Region zu gewährleisten.

Dem Informationsminister Dauren Abajew zufolge wurden die Ausschreitungen durch eine „alltägliche Konfrontation“ ausgelöst. Laut Abajew wurden die wichtigsten Basare Almatys geschlossen, um eine Ausbreitung der Unruhen zu vermeiden. „Es gab Aufrufe zu Gewalt auf diesen Märkten“, sagte er Journalisten in Nur-Sultan. Auf den Basaren bieten Händler unterschiedlicher ethnischer Gruppierungen Waren aus China, der Türkei und anderen Ländern an. Die autoritäre kasachische Regierung betont regelmäßig, dass in Kasachstan „mehr als 100 ethnische Gruppierungen in Frieden leben“. Die kasachische Mehrheit macht etwas mehr als zwei Drittel der 18 Millionen Einwohner Kasachstans aus.