Der verheerende Bombenanschlag während des Marathon-Wettbewerbs in Boston hat mindestens drei Todesopfer gefordert. Unter ihnen ist ein acht Jahre alte Junge. Mehr als 140 Menschen wurden nach Angaben der Behörden in der Metropole an der US-Ostküste verletzt. Rund 20 von ihnen befanden sich am späten Montagabend noch in kritischem Zustand in Krankenhäuser der Millionenstadt.

Am Nachmittag waren in der Nähe der Ziellinie des Laufwettbewerbs, an dem sich mehr als 23.000 Sportler beteiligten, zwei Sprengsätze explodiert. Als die erste Bombe zündete, habe er noch geglaubt, es handle sich um ein Feuerwerk, sagte der 26 Jahre alte Marathon-Teilnehmer Jarrett Sylvester: „Und dann ging die zweite hoch, und ich sah, wie Trümmer durch die Luft flogen. Erst dann habe ich bemerkt, dass es eine Bombe war. Dann bin ich in die entgegengesetzte Richtung gerannt.“ Mehrere Menschen verloren durch die Wucht der Explosion ihre Gliedmaßen.

„Plötzlich flog ein Bein an meinem Kopf vorbei“, sagte ein Zuschauer der Zeitung Boston Herald: „Ich habe einem Helfer meinen Gürtel gegeben, damit das Blut gestoppt werden konnte. Chris Cassidy, ein Reporter des Blattes, berichtete, dass er zwei Explosionen gesehen habe. „Die eine war jenseits der Ziellinie. Ich hörte einen lauten Knall und sah Rauch aufsteigen. Ich bin weggerannt und hörte plötzlich hinter mir wieder einen lauten Knall. Es sah aus wie eine Mülltonne. Die Leute wurden durch Trümmerteile verletzt. Ich sehe Leute mit Blut an der Stirn. Bruce Mendelsohn, der in der Nähe des Explosionsortes arbeitete, schrieb auf Twitter, er habe Blut auf dem Gehweg gesehen.

Die Hintergründe des Anschlags auf einen der ältesten Laufwettbewerbe der Welt waren auch am späten Abend noch völlig unklar. Zunächst hieß es in einigen Medien, ein Mann aus Saudi-Arabien, der mit einem Studentenvisum in die USA eingereist sei, werde vernommen. Die Polizei in Boston erklärte jedoch wenig später, sie habe noch keine Verdächtigen im Visier. Nach übereinstimmenden Berichten von US-Medien wurde allerdings ein ausländischer Mann, der mitschweren Brandverletzungen in einer Bostoner Klinik lag, von den Beamten befragt. Das heiße allerdings nicht, dass der Mann verdächtig werde, die Bomben gelegt zu haben, so die Polizei. Auch sei keine Anklageerhoben worden.

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Hunderte von Mutmaßungen

Auch die genaue Bauart der Bomben war nicht bekannt. Der Sender CNN meldete, es sei kein Plastiksprengstoff verwendet worden. Zudem seien die Bomben vergleichsweise klein gewesen. Das lasse darauf schließen, dass das Attentat nicht das Werk eines oder mehrerer erfahrener Terroristen sei. Belege für diese Hypothese lieferte der Sender allerdings nicht.

Auch über den Internetdienst Twitter wurden Hunderte von Mutmaßungen verbreitet. Der kritische Filmemacher Michael Moore etwa textete: „Tax Day and Patriots‘ Day.“ Der 15. April ist der Tag, an dem in den USA die Steuererklärungen abgegeben werden müssen. Der dritte Montag im April wird zudem in Boston als Feiertag begangen, an dem an die besondere Rolle der Stadtwährend der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung Ende des 18. Jahrhunderts erinnert wird. Wenn diese Deutungen zutreffen, dann könnten die Attentäter einheimische Extremisten gewesen sein, deren Kritik an der Bundesregierung in Washington oftmals in Hass und Gewalt umschlägt. So hatte etwa der Rechtsradikale Timothy McVeigh ausgerechnet in der dritten Aprilwoche des Jahres 1995 einen Bombenanschlag auf ein Behördengebäude in Oklahoma City verübt, bei dem168 Menschen starben. Für die These vom sogenannten „homegrownterrorist“, der in Boston zugeschlagen hat, gab es jedoch zunächst ebenfalls keine Belege.

US-Präsident Barack Obama trat wenige Stunden nach den Anschlägen im Weißen Haus vor die Presse. Er sprach von einer Tragödie, die ich in Boston ereignet habe, und sagte: „Wir werden herausfinden, wer das getan hat. Wir werden herausfinden, warum das geschehen ist.“ Die Täter würden das ganze Gewicht des Gesetzes zu spüren bekommen, sagte der Präsident. Auffällig war, dass es Obama vermied, von einem Terroranschlag zu sprechen. Diese Formulierung weckt in den USA Assoziationen an die von Ausländern verübten Attentate vom 11. September 2001 auf das World Trade Centerin New York und das Pentagon in Washington. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete allerdings unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter, dass das Weiße Haus die Explosionen in Boston sehr wohl als Terrorangriff werte.

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