Die demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, Bernie Sanders (l) und Joe Biden, begrüßen sich zur dritten TV-Debatte.
Foto: David J. Phillip/dpa

Berlin - Die amerikanische Gesellschaft hat ein Männerproblem. Zu viele Vertreter dieses Geschlechts hängen einem toxischen Rollenverständnis an. Dieses betrachtet Frauen als Objekte der Begierde oder Verachtung, keinesfalls aber als legitime Konkurrentinnen um die Macht.

Nur so lässt sich erklären, wie Donald Trump ins Weiße Haus einziehen konnte, obwohl sein Sexismus auf dem „Hollywood Access“-Video in widerlichster Weise dokumentiert war. Eigentlich hätte das nicht nur Frauen, sondern auch anständige Männer davon abhalten müssen, diesen Chauvinisten zu wählen.

Lesen Sie hier: Demokratin Elizabeth Warren zieht Kandidatur zurück >>

Das Gegenteil trat ein. Fast zwei von drei weißen Männer zogen Trump der ersten Präsidentschaftskandidatin in der Geschichte des Landes vor. Hillary Clinton spricht zu Recht von einer „unsichtbaren Glasdecke“, die Frauen in den USA den Weg ganz nach oben versperrt. Diese Erfahrung musste bei den Vorwahlen der Demokraten nun auch Elizabeth Warren machen. Obwohl die Frauen eine deutliche Mehrheit in der Partei stellen, schaffte die Kandidatin es nicht, deren Zweifel an den Erfolgsaussichten einer Frau als Herausforderin Trumps zu überwinden.

Die traurige Konsequenz lässt den Demokraten nun die Wahl zwischen zwei alten weißen Männern. Solange sich das Selbstverständnis der Männer nicht ändert, bleibt es für die qualifizierteste, dynamischste und sympathischste Kandidatin schwierig, die unsichtbare Glasdecke zu durchbrechen. Es sei denn, die Amerikanerinnen überwinden ihr Männerproblem, indem sie Vertrauen in die Macht ihrer Mehrheit an der Urne fassen und den bisher mächtigen Männern ein echtes Problem bereiten.