Würzburg/Berlin - Der Amoklauf begann am Freitag in einer Woolworth-Filiale in der Innenstadt von Würzburg. Abdirahman J. fragte eine Verkäuferin der Haushaltswarenabteilung, wo er die Messer finde. Sie zeigte sie ihm, er nahm sich eins und erstach eine Frau (49). In den nächsten Minuten tötete er eine Rentnerin (82), danach eine 24-Jährige, die sich schützend vor ihr Kind geworfen hatte. Der Somalier, der inzwischen aus dem Kaufhaus gerannt und auf dem belebten Barbarossaplatz noch sechs weitere Menschen verletzte, fünf davon schwer, sprach nach seiner Festnahme vom „Heiligen Krieg“. Im Kaufhaus rief er Augenzeugen nach „Allahu akbar“ (Gott ist groß).

Einigen Passanten ist es zu verdanken, dass er nicht noch mehr Menschen tötete, so die Polizei. Sie warfen dem Attentäter Rucksäcke, Tische und Stühle in den Weg, um ihn zu stoppen. Einer davon war Chia Rabiei (42), selbst Asylsuchender aus dem Iran. Der FAZ  sagte er: „Es war wie ein Kampf mit einem Taubstummen.“ Der Mann habe während seiner Messerattacken kein Wort gesprochen. Die blutige Bilanz der Messerattacke: drei tote Frauen, drei lebensgefährlich verletzte Frauen, ein Mädchen und ein Jugendlicher in Lebensgefahr, die inzwischen ebenso wie eine Frau (39) außer Gefahr sind sowie ein leicht verletzter Mann und eine leichtverletzte Frau, so die Polizei.

Die Polizei überwältigte den Mann wenig später mit einem gezielten Schuss in den Oberschenkel – und seitdem wird das Motiv gesucht. War der Mann psychisch krank? Augenzeugen nach wirkte er verwirrt. War er ein Islamist? Und warum attackierte er überwiegend Frauen?

Am Sonntag steht ein Meer von Blumen und Kerzen am Barbarossaplatz. Am Nachmittag läuteten die Kirchenglocken und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der landesweit die Trauerflaggen hissen ließ, und Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt legten dort am Nachmittag einen Kranz zum Gedenken an die Opfer nieder. Später gab es im Kiliansdom der Stadt eine Gedenkfeier. Daran nahmen neben dem katholischen Würzburger Bischof Franz Jung Vertreter weiterer Religionen und der Öffentlichkeit teil – wie der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski sowie Vertreter der muslimischen Gemeinden.

Gegen den mutmaßlichen Täter ist inzwischen Haftbefehl wegen dreifachen Mordes und sechsfachen versuchten Mordes erlassen worden, sagte der Pflichtverteidiger des Verdächtigen, Hanjo Schrepfer. Nach Gesprächen mit dem 24-Jährigen könne er bisher kein islamistisches Motiv erkennen.

Ermittler werten derzeit ein Handy aus, das in der Würzburger Obdachlosenunterkunft entdeckt worden war, wo der Angreifer derzeit wohnt. Ein weiteres lag am Tatort. „Die Auswertungen dauern erfahrungsgemäß mehrere Tage“, sagte ein Beamter. Unklar sei, inwiefern die Psyche des Somaliers eine Rolle gespielt habe und inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen hätten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Der Somalier fiel bereits wegen eines Messerangriffs auf

Über Abdirahman J. wissen die Ermittler, dass er sich im Zuge eines Asylverfahrens seit 2015 legal in Deutschland aufhielt und er subsidiären Schutz im Rahmen eines Asylverfahrens genoss. Er sei in der jüngsten Vergangenheit schon wegen eines Messerangriffs auf Mitbewohner aufgefallen, sagte der Bamberger Generalstaatsanwalt Wolfgang Gründler, und vorübergehend in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden.

Die Tat hat Bestürzung ausgelöst. Sie sei „unfassbar und schockierend“, sagte CSU-Landeschef Söder. Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte: „Die Ermittlungen werden ergeben, was den Amokläufer von Würzburg antrieb. Sicher ist: Seine entsetzliche Tat richtet sich gegen jede Menschlichkeit und jede Religion.“ Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einer „entsetzlichen Gewalttat“.