Singapur - Gerade mal 40 Minuten statt der geplanten Dreiviertelstunde dauerte am Dienstagmorgen in Singapur das erste Vier-Augen-Gespräche der Geschichte zwischen einem nordkoreanischen Diktator und einem US-Präsidenten. „Es läuft sehr, sehr gut“, rief Donald Trump einigen Reportern zu, bevor er sich kurz vor zehn Uhr morgens mit Kim Yong Un zu einer weiteren Verhandlungsrunde im Beisein enger Vertrauter im luxuriösen Capella Hotel auf der Insel Sentosa zusammensetzte.

Elf US-Präsidenten waren seit dem Ende des Korea-Kriegs im Jahr 1953 mit allen Annäherungsversuchen an Pjöngjang gescheitert. Als Trump mit seiner kurz nach neun Uhr erstmals die Hand seines Gegenübers schüttelte, schien die Atmosphäre eher gespannt. Der US-Präsident konnte sich kein Lächeln abringen. Und auch Kim erschien mürrisch, als er aus seiner Limousine stieg.

Menschenrechtslage in Nordkorea kein Thema

Während die Entführung japanischer Staatsbürger nach Nordkorea vor einigen Jahrzehnten offenbar auf der Tagesordnung stand, fehlte jede Erörterung der Menschenrechtslage in Nordkorea, das die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) pünktlich zum Gipfelbeginn als „repressivstes Land der Welt“ beschrieb. 

„Der Weg, der zu diesem Platz geführt hat, war nicht leicht“, erklärte Kim, als er sich zu einem kurzen Fototermin auf die Vorderkante eines Sessels im Capella niederließ, „Vorurteile und altes Verhalten waren große Hindernisse.“ Dann verblüffte er den US-Präsidenten dann mit dem überraschenden Satz: „Viele Leute werden glauben, sie würden in einem Science-Fiction-Film sitzen.“ Trump war die Spannung ebenfalls anzumerken. „Wir werden ein bombiges Verhältnis haben“, sagte der US-Präsident dennoch und faltete seine Hände zur Merkel-Raute, „ich fühle mich sehr gut.“

Ob sich hinter dem überdeutlich zelebrierten guten Willen beider Seiten tatsächlicher Fortschritt verbarg, war nicht klar, als Nordkoreas Delegation um zwölf Uhr Ortszeit planmäßig das Hotel verließ. US-Außenminister Pompeo hatte am Montag erklärt: „Unser Ziel hat sich nicht geändert. Voraussetzung für eine Verständigung ist eine überprüfbare und unwiderrufliche Abschaffung der Atomwaffen Nordkoreas.“ Nordkorea dürfte es um die seit 1953 ausstehende formelle Beendigung des Kriegszustands mit Washington und Seoul samt Sicherheitsgarantien gehen.