Halle (Saale) - Ausgerechnet Heino, Deutschlands patriotisches Schlager-Urgestein, brachte es am Dienstag am späten Abend bei der ZDF-Talkshow Markus Lanz auf den Punkt: „Ich wäre schon weggezogen.“

Es war bewundernd gemeint. Bewunderung für den Mut eines Mannes, der innerhalb von wenigen Tagen bundesweite Berühmtheit erlangt hat: Bewunderung für Markus Nierth, den ehemaligen  Ortsbürgermeister der knapp 2.700 Seelengemeinde Tröglitz im Burgenlandkreis. Der war am Donnerstagabend vergangener Woche aus Angst um seine Familie von seinem Ehrenamt zurückgetreten. Die Kreisverwaltung hatte es tagelang nicht geschafft, einen geplanten Demonstrationszug von „empörten Bürgern“ und NPD-Anhängern gegen die geplante Zuweisung von 40 Asylbewerbern, der vor dem Privathaus Nierths enden sollte, zu verbieten.

Aber ihm fehlte eben auch die moralische Unterstützung seitens vieler Tröglitzer und von Kommunal- wie Landespolitikern. Kurzum: Er fühlte sich im Stich gelassen.

Plakatives Entsetzen

Im Gegensatz zu Moderator Markus Lanz, der sein Entsetzen mit Mimik, Gestik und Fragestellung plakativ und damit schon wieder fast unglaubwürdig zur Schau stellte, blieb Markus Nierth völlig ruhig und sachlich. So, als ob er die vergangenen 30 Jahre nichts anderes machen würde, als über schwerwiegende gesellschaftliche Probleme zu reden. Eindrucksvoll legte er noch einmal vor Lanz, den Gästen, dem Studiopublikum und den Millionen Menschen vor dem Fernseher die Finger in die Wunde, bis es als Sachsen-Anhalter und Demokraten richtig weh tat. Wirklich Neues hatte er dabei nicht zu erklären, und musste er auch gar nicht. Souverän wiederholte Nierth, was er seit Tagen praktisch allen Leitmedien dieses Landes sagte.

Natürlich hätte da durchaus der Verdacht aufkommen können, dass es sich bei ihm um einen Selbstdarsteller handelt. Doch er wählte vorsichtige, ja fast schon versöhnliche Worte in Richtung derjenigen, von denen er sich im Stich gelassen fühlte. Persönliche Vorwürfe sind nicht der Stil Nierths, es geht ihm um die Sache. Allein durch die Art und Weise, wie er es sagt, nimmt man es ihm ab. Und auch die Tatsache, dass wegziehen und damit wegrennen vor den Problemen für ihn nicht in Frage kommt. Schließlich ist Tröglitz für seine Frau, eine gebürtige Hamburgerin, und ihn die Heimat.

Eines wollte er in diesem Zusammenhang auch noch einmal betonen: Die allergrößte Mehrheit der Tröglitzer ist weltoffen. Sie müssen es vielleicht einfach nur mehr zeigen. Auch wenn das einfacher gesagt und geschrieben, als getan ist. Aber mit Markus Nierth haben sie ein gutes Vorbild.