Es ist nur ein kurzer Blick, den Kim Bok Dong ins Freie wirft – über den hölzernen Fußboden hinaus auf den akkurat getrimmten Rasen, den Kirschbaum und die kleine Bank, die im Garten ihres Schutzhauses steht, das früher einmal eine christliche Kirche war. Doch die 91-Jährige kümmert sich nicht um die Idylle, in der sie zum Gespräch geladen hat. „Ich verlasse das Haus nicht“, sagt sie. „Außer mittwochs!“

Der Mittwoch ist ihr wichtig. Jeden Mittwoch sitzt sie vor der japanischen Botschaft in Südkoreas Hauptstadt Seoul, umgeben von Schülergruppen und Aktivisten, die gelbe Transparente in Richtung des Botschaftsgebäudes recken. Immer wieder rufen sie „Entschuldigt euch!“ durch den Gitterzaun. Jeden Mittwoch versammeln sich die Demonstranten, um für Frauen wie Kim Bok Dong die Gerechtigkeit einzufordern, die ihnen nun seit über 70 Jahren verwehrt bleibt: eine Entschuldigung Japans für das Schicksal der koreanischen Trostfrauen.

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