Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (l.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU)
Foto: imago images/photothek

Wie oft beschworen Scharen von Journalisten in den vergangenen zwei Jahren die „Kanzlerinnendämmerung“ herauf? Tausendfach beobachteten sie den „Abgesang“ von Angela Merkel, sahen sie als „lahme Ente“ ihrem „Endspiel“ entgegenwackeln. In Wochenblättern wie der „Zeit“ sprach man ihr jede Fähigkeit ab, irgendwelche „Zukunftshoffnungen“ zu wecken, und behauptete allen Ernstes: „Merkel ist noch da, aber gleichzeitig schon weg.“ Wie oft hat Oliver Welke die Große Koalition mit ganz unsatirischem Bierernst geschmäht? All das hat sich in der Krise als haltloses Geschnatter erwiesen.

Insgesamt leisten unsere Regierenden eine hervorragende Arbeit: Sie arbeiten uneitel, überparteilich und ringen sichtbar um den richtigen Weg. Auch sie gehören zu den Heldinnen und Helden der Krise. Auch ihnen gebührt Dank. Die Mehrheit der Deutschen sieht das so. Das zeigen die Umfragen. Die Bundesregierung hat wieder eine gesellschaftliche Mehrheit hinter sich. Dasselbe gilt für tatkräftige und klar sprechende Landespolitiker, ob sie nun Malu Dreyer (SPD) oder Markus Söder (CSU) heißen. Die oppositionellen Besserwisser- und Wohlfühlparteien geraten mit Recht ins Hintertreffen. Das gilt für die FDP, die Grünen, die Linke und die AfD gleichermaßen.

Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem überregionalen Newsblog zum Coronavirus oder alles Wichtige aus der Region im Berlin-Newsblog zum Coronavirus. >>

Was die Fehler der Vergangenheit betrifft, offenbart die Corona-Krise einiges, womit wir uns beschäftigen sollten, sobald das Schlimmste überstanden ist. Die Lage zwingt zu der Frage, ob sich unsere Gesellschaft nicht zu sehr in Luxusproblemen verloren hat. Zum Beispiel haben wir in Deutschland gut 200 Genderprofessuren und ebenso viele Professuren für Pharmazie. Finden wir dieses Verhältnis weiterhin gesund? Brauchen wir so viele Mittel für Zeithistoriker oder mehr für technische Innovation? Wollen wir geschlechtsneutrale Toiletten oder hygienisch einwandfreie? Wollen wir, dass unsere Krankenkassen homöopathische Scheinmedizin bezahlen oder Mittel für die Einlagerung von Schutzkleidung und -masken bereitstellen? Wir werden nicht um Prioritäten herumkommen.

Lesen Sie auch: Corona – wer soll das bezahlen? Wir alle! >>

In dem 2012 erarbeiteten „Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz“ des Bundesinnenministeriums ist die jetzige Lage gut beschrieben, auch das schwer steuerbare Verhalten des Volkes, also von Leuten wie Sie und ich, liebe Leser. Die Lektüre dieses Berichts lohnt sich jedenfalls (Deutscher Bundestag, Drucksache 17/12051). Danken wir den Fachleuten und Ministerialbeamten, die solche Schreckensszenarien vorbereitend mit klarem Blick analysiert haben. Natürlich legte der Bericht auch vorbereitende katastrophenmedizinische Maßnahmen nahe. Im Bund wären damals die Gesundheits- und Innenminister von CDU und CSU zuständig gewesen, in den Ländern Minister und Ministerinnen aller anderen demokratischen Parteien.

Warum handelten sie nicht? Die Antwort ist einfach: Uns alle, uns Wählerinnen und Wähler, interessierte eine Politik der Vorsorge nicht im Geringsten. Wir hörten lieber von der nächsten Rentenerhöhung, von Steuersenkungen oder staatlichen Subventionen für dieses oder jenes Bedürfnis. Vor möglichen, noch dazu unsichtbaren Gefahren zu warnen, gilt als unpopulär. Das sollte sich ändern! Aber ob das geschieht?