BerlinMehr als 11.000 Polizisten haben mehrere Tage lang einen Atommülltransport durch Deutschland beschützt. Der Nukleartransport aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield erreichte am Mittwochmorgen das Zwischenlager Biblis in Hessen. Der Transport war eigentlich für März geplant. Er musste jedoch wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.

Das Spezialschiff „Pacific Grebe“ mit sechs Castorbehältern hatte am Montagmorgen im Hafen von Nordenham an der Weser angelegt. Dort wurden die Behälter auf einen Zug verladen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums beschützten etwa 6000 Beamte der Bundespolizei und etwa 5200 Beamte der Länderpolizeien den Transport. Im Vorfeld des Transports hätten Bund und Länder im Hinblick auf die pandemiebedingten Herausforderungen umfangreiche Hygienekonzepte für den Polizeieinsatz erarbeitet, teilte das Ministerium mit.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dankte den Polizisten für ihren Einsatz, „durch den Deutschland auch in Pandemiezeiten handlungsfähig und außenpolitisch verlässlich“ bleibe. Die Bundesrepublik Deutschland sei verpflichtet, wiederaufbereitete Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken zurückzunehmen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP)  und die Deutsche Polizeigewerkschaft hatten gefordert, den Castortransport abzusagen. Die Polizisten hätten genug damit zu tun, die Corona-Auflagen und den Gesundheitsschutz durchzusetzen, erklärten sie.

Dass alle Interventionen seitens der GdP sowie vom niedersächsischen  Innenminister Boris Pistorius und weiterer Politiker gegen den Transport zu diesem Zeitpunkt erfolglos blieben, sorge weiter für Unmut, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Dietmar Schilff, am Mittwoch. „Gerade jetzt, wo die Polizei ohnehin mehr denn je gefordert ist, hätte eine solch unverhältnismäßige Zusatzbelastung leicht vermieden werden können. Aufgrund der Entscheidung des Bundes, den Transport nicht noch einmal zu verlegen, wurden die Einsatzkräfte einer zusätzlichen Infektionsgefahr ausgesetzt.“

Es ist der erste Castortransport mit deutschem Atommüll aus dem Ausland seit neun Jahren. Bei früheren Transporten dieser Art hatte es stets massive Proteste von Atomkraftgegnern gegeben. Am Bahnhof in Biblis demonstrierten laut Polizei am Mittwoch mehrere Dutzend Atomkraftgegner. Nach Angaben der Bundespolizei verlief der Einsatz ruhig.