Man kann nicht behaupten, Wladimir Putin mangele es an Kreativität. „Menschen wie Herr Blatter oder die Leiter anderer internationaler Sportorganisationen oder der Olympischen Spiele sollten besondere Anerkennung erfahren. Wenn es jemanden gibt, der den Nobelpreis verdient, dass sind es diese Leute", sagte er dem Schweizer Sender RTS. Und dass Blatter selbst, seit 1998 Chef der Welt-Fußball-Organisation Fifa, auch in Korruption verwickelt sei, könne er nicht glauben. Praktisch daran ist, dass Putin damit zugleich sein eigenes Land vom Verdacht freispricht – schließlich wird auch ermittelt, ob bei der Vergabe der Fußball-WM an Russland alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Zur Erinnerung: Im Mai wurden mehrere hohe Fifa-Funktionäre wegen Korruptionsverdachts verhaftet. Der Schweizer, den seit Jahren Korruptionsgerüchte umranken, hat nach der Verhaftung mehrerer Spitzenfunktionäre mittlerweile seinen Rückzug angekündigt.

Seltsame Vorschläge

An den Nobelpreis als Ruhestandsgeschenk hat bislang keiner gedacht. Es ist allerdings nicht die erste seltsame Idee.

Adolf Hitler findet sich auf der Nominierten-Liste des Jahres 1939. Ein norwegischer Abgeordneter hatte ihn vorgeschlagen, obwohl in Deutschland seit Jahren aufrüstete und mit Kriegsdrohungen hantierte – von Einschüchterungen, Verfolgungen und Abbau demokratischer Rechte im Inland ganz abgesehen. Hitler ließ im September 1939 Polen überfallen. Der norwegische Abgeordnete hatte seinen Vorschlag vorher noch zurückgezogen

2014 befanden CSU-Politiker, die ukrainische Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko sei nobelpreiswürdig. Timoschenko war lange inhaftiert, sie . Allerdings umgaben auch sie Korruptionsvorwürfe. Die CSU ließ ihre Idee fallen, nachdem Timoschenko mit Blick auf Putin erklärte, sie sei "bereit, eine Maschinenpistole zu nehmen und diesem Dreckskerl eine Kugel in den Kopf zu schießen".

2009 überhäuften Michael-Jackson-Fans das Nobelpreiskomitee mit der Bitte um einen Nobelpreis für den gerade verstorbenen Pop-Star. Dieser habe sich „restlos und selbstlos für die weltweite Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern sowie der ganzen Menschheit“ eingesetzt. Das Hauptproblem: An Tote wird kein Nobelpreis vergeben.

Putin könnte Vorschlag einreichen

Der Direktor des Nobelpreisinstituts Geir Lundestadt hat am Beispiel Michael Jackson erklärt, er glaube durchaus, dass Vorschläge für Nobelpreis-Träger in der Regel seriös seien. Die Fans, die Jackson nominiert hätten, hätten dies „zweifellos für eine ernste Nominierung“ gehalten.

Putin kann seinen Blatter-Vorschlag übrigens durchaus in Schweden einreichen. Als Präsident gehört er zu dem Personenkreis, die Nominierungen vornehmen können. Vielleicht steht Putin auch selbst wieder auf der Liste, so wie 2013, als er für seine Rolle in dem bis heute nicht gelösten Syrien-Konflikt als Preisträger vorgeschlagen war. Mit Sicherheit gibt es die, die in ihm einen großen Ukraine-Friedensstifter sehen – Joseph Blatter vielleicht?