Berlin - Die Nachricht klingt alarmierend: Fast jeder vierte Beschäftigte in Deutschland geht vorzeitig in den Ruhestand und muss dabei Abschläge in Kauf nehmen.  Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische  Anfrage der Linken hervorgeht,  entschlossen sich 2014 knapp 197.000 Menschen, trotz der geringeren Zahlbeträge  vor Erreichen des gesetzlichen Eintrittsalters in Rente zu gehen.  Dabei nahmen die Betroffenen im Schnitt  23,5 Abschlagsmonate in Kauf, wobei jeder Monat einer Rentenminderung um 0,3 Prozent entspricht. Unter dem Strich ergibt sich darauf für 23,9 Prozent aller Neurentner des Jahres 2014 eine durchschnittliche Rentenminderung um sieben Prozent.

Zahl der Frührenter nimmt ab

Aus Sicht der Linken-Fraktion sprechen die Zahlen klar gegen die Anhebung der Regelaltersgrenze, die laut Gesetz bis 2029 schrittweise auf 67 Jahre angehoben wird. „Die Menschen wollen so früh wie möglich in Rente gehen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben“, sagte die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann der in Erfurt erscheinenden „Thüringer Allgemeine“.

Diese Schlussfolgerung ist mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre allerdings gewagt. Nach Daten der Deutschen Rentenversicherung Bund hat die Zahl der Frührentner in den vergangenen Jahren nämlich nicht zu-, sondern stark abgenommen. 2011 entschieden sich noch 336.856 Personen für den vorzeitigen Ruhestand, das entsprach 48,2 Prozent aller Neurentner dieses Jahres. Seither sinkt die Zahl, von 250.038 im Jahr 2012 und 238 019 (2013) auf 196.645 im vorvergangenen Jahr.

Zugleich ging auch der  Zeitraum zwischen dem gesetzlichen und dem tatsächlichen Renteneintritt deutlich zurück. Der durchschnittliche Abschlagszeitraum, den die vorzeitigen Ruheständler 2011 durchschnittlich in Kauf nahmen, lag bei 36,25 Monaten.  2012 waren es 27,03 Monate, 2013 nur mehr  23,55 und 2014 schließlich noch 23,47 Monate.  Sowohl Anzahl und Dauer der Frühverrentung als auch die Höhe der Abschläge hat sich also deutlich reduziert.