Trump im Quadrat: Roy Moore ist sogar Trump zu viel

Washington - Angefangen hat alles mit einem gewaltigen Granitblock.

An seinen Seiten sind Zitate der amerikanischen Verfassung eingemeißelt. Oben auf dem 2,4 Tonnen schweren Koloss liegt eine steinerne Bibel mit den Zehn Geboten. Als Roy Moore im Jahr 2001 Vorsitzender Richter des Obersten Gerichtshofs in Alabama wurde, ließ er das Denkmal kurzerhand in der Rotunde des Gerichtsgebäudes aufstellen. Es folgte ein heftiger Rechtsstreit. Moore weigerte sich, den Klotz zu entfernen und wurde schließlich selbst suspendiert. Seither ist der Mann ein Volksheld im konservativen Alabama.

Er ist selbst Trump zu viel

Europäischen Beobachtern mag es schwerfallen, sich einen Politiker vorzustellen, der Donald Trump wie einen gemäßigten Liberalen erscheinen lässt. Doch der inzwischen 70-jährige Moore schafft das spielend: Er behauptet immer noch, dass Ex-Präsident Barack Obama ein Muslim aus Kenia sei, hält Homosexualität für ein strafbares Verbrechen und wähnt Teile der USA unter dem Scharia-Gesetz.

Das war selbst für Trump zu viel: Bei den republikanischen Vorwahlen für die Neubesetzung des Senatoren-Postens von Alabama unterstützte er Moores Gegenkandidaten Luther Strange. Doch der religiöse Eiferer schlug den Favoriten mit zehn Punkten Vorsprung.

„Der Trumpismus hat Trump besiegt“

Die schwere Klatsche für den Präsidenten sagt auch viel über den Zustand der Republikaner und der amerikanischen Gesellschaft aus. Denn Moores Chancen, am 12. Dezember das Mandat in Washington zu holen, stehen nicht schlecht. „Der Trumpismus hat Trump besiegt“, jubelt die erzkonservative Kolumnistin Ann Coulter.

Und während Moore in seiner Dankesrede mehr noch als seinen Anhängern dem Allmächtigen dankte („Nichts ist zu groß für Gott“), beschwor Trumps Ex-Chefstratege Stephen Bannon eine ganz irdische Macht: „Das Resultat belegt den Einfluss von Breitbart“, ließ er auf seinem reaktionären Meinungsportal erklären.

Trump-Anhänger unterstützen nun Moore

Tatsächlich hat Moore mit einer Anti-Establishment-Kampagne ähnliche populistische Affekte bedient wie seinerzeit Trump. Und der glühende Nationalist Bannon, der vor einem Monat das Weiße Haus verlassen musste, hat den evangelikalen Fundamentalisten unterstützt. Manch ein Beobachter sieht das als Denkzettel weniger für Trump als für jene, die den Präsidenten zu mäßigen versuchen.

„Diejenigen, die Trump nominiert haben, unterstützen nun Moore. Was gerade passiert, ist größer als Trump. Er ist nur das Werkzeug“, analysierte die demokratische Meinungsforscherin Anna Greenberg den Rechtsruck in Alabama.

Er verweigerte Schwule zu trauen

Trump reagierte auf seine Weise: Er löschte zunächst die drei kämpferischsten Tweets, mit denen er den von ihm „Big Luther“ getauften Verlierer unterstützt hatte, gratulierte dann Moore und erklärte bei Twitter: „Ich habe mit ihm gestern Abend das erste Mal gesprochen. Er klingt wie ein toller Kerl, der ein fantastisches Rennen gemacht hat. Er wird helfen, Amerika wieder groß zu machen.“

Doch damit will sich der einstige Kickboxer, der 2013 ein zweites Mal den Vorsitz am Obersten Gerichtshof seines Bundesstaates erkämpfte, nicht zufriedengeben. 2016 wurde er erneut suspendiert, weil er seinen Untergebenen verbot, Schwule zu trauen. Zusammen mit seiner Frau hat er eine „Stiftung für das Moralgesetz“ gegründet, die religiöse Eiferer vor dem Kadi vertritt und für fundamentalistisch-christlichen Schulunterricht kämpft.

„Ich glaube, dass wir Amerika großmachen müssen, aber wir müssen es auch gut machen“, sagt er: „Das aber geht nicht ohne Kenntnis über die Wurzel alles Guten, der Gesetze, der Freiheit und auch der Regierung – des allmächtigen Gotts.“