US-Präsident Donald Trump
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WashingtonUS-Präsident Donald Trump nimmt trotz der andauernden Corona-Krise seine Massenkundgebungen wieder auf. Die erste Wahlkampfveranstaltung Trumps seit mehr als drei Monaten sollte am Samstagabend in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma stattfinden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Weniger als fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl liegt der designierte Kandidat der Demokraten, Joe Biden, in landesweiten Umfragen vor dem Republikaner Trump.

Der Präsident ist in der Corona-Krise, aber auch infolge des Todes des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz am 25. Mai in Minneapolis unter Druck geraten. Seit dem Tod Floyds dauern Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA an.

Trump richtete vor seiner Kundgebung eine scharfe Warnung an Teilnehmer von möglichen Protesten in Tulsa: „Alle Demonstranten, Anarchisten, Unruhestifter, Plünderer oder Gesindel, die nach Oklahoma kommen, bitte begreift, dass ihr nicht wie in New York, Seattle oder Minneapolis behandelt werdet“, schrieb er am Freitag auf Twitter.

Trump spielte damit auf die aus seiner Sicht zu laxen Reaktionen einiger Bundesstaaten auf Demonstrationen infolge von Floyds Tod an, bei denen es zunächst bei einigen zu Ausschreitungen gekommen war. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, sagte am Freitag, Trump habe sich nicht auf friedliche Proteste bezogen, sondern auf „gewaltsame Demonstranten, Anarchisten, Plünderer“.

Vor der Veranstaltungshalle in Tulsa warteten schon lange vor Beginn der Kundgebung Trump-Unterstützer, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Einige Anhänger des Präsidenten zelteten in der Nacht zuvor bereits in der Umgebung des Veranstaltungsortes.

Teilnehmer der Kundgebung mussten sich bei der Registrierung damit einverstanden erklären, dass die Organisatoren nicht für eine Covid-19-Erkrankung und mögliche Folgen haftbar gemacht werden können. In Tulsa ist die Zahl der Coronavirus-Infektionen in den vergangenen Tagen auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie gestiegen. Trump führt steigende Infektionszahlen in mehr als 20 Bundesstaaten auf eine Zunahme von Tests zurück.

Wegen der Corona-Pandemie kündigten die Veranstalter zwar an, bei den Teilnehmern werde Fieber gemessen, zudem würden Desinfektionsmittel und Masken ausgegeben. Es ist allerdings fraglich, ob die Teilnehmer – insbesondere innerhalb der geschlossenen Arena, die 19.000 Menschen fasst – ausreichend Abstand zueinander halten können. Trump hatte zuletzt schon damit geprahlt, dass kein Platz frei bleiben werde.

McEnany sagte, es bleibe jedem selbst überlassen, ob er eine Maske aufsetzen wolle. „Ich werde keine Maske tragen“, sagte sie. McEnany fügte hinzu, dass sie regelmäßig auf das Virus getestet werde. Trump selbst tritt regelmäßig ohne Maske in der Öffentlichkeit auf.

Trump hatte mit seinen Auftrittsplänen auch Unmut auf sich gezogen, weil er die Kundgebung eigentlich bereits am Freitag abhalten wollte, an dem in den USA „Juneteenth“ begangen wurde. Am 19. Juni wird in den Vereinigten Staaten des Endes der Sklaverei gedacht. Tulsa war zudem am 1. Juni 1921 Schauplatz eines Massakers durch einen weißen Mob an der schwarzen Bevölkerung. Historiker werten dies als schlimmsten Vorfall dieser Art in den USA nach dem Ende des Bürgerkriegs. Hunderte Menschen wurden damals getötet.

Angesichts des ursprünglich geplanten Termins und Tulsa als Standort war Trump vorgeworfen worden, Rechtsradikale zu ermutigen. Er verschob die Kundgebung dann um einen Tag. Trump hatte zuletzt eine Wahlkampfveranstaltung am 2. März in Charlotte in North Carolina abgehalten. Danach hatte die Corona-Krise Kundgebungen unmöglich gemacht.