Berlin - Die Geisterstunde ist in Washington schon lange vorbei, als Donald Trump im Weißen Haus vor die Mikrofone und eine begeisterte Menge von Angehörigen und Mitarbeitern tritt. Und doch ist es eine gespenstische Rede, die er nun kurz vor halb drei Uhr nachts hält. In wohl gesetzten Worten, äußerlich ganz ruhig, setzt er zum entscheidenden Schlag an, um die Wahl des Präsidenten an sich zu reißen. Er dankt dem amerikanischen Volk für die „überragende Unterstützung“ am Wahltag und stellt dann fest: „Eine sehr traurige Gruppe von Menschen versucht dieser Gruppe von Menschen ihre Rechte zu nehmen. Und das werden wir uns nicht gefallen lassen.“ Frenetischer Beifall kommt auf.

Alle wissen hier, dass Trump nun ein Szenario umsetzt, das er für den Fall eines knappen Wahlausgangs schon seit Wochen verbreitet hat: die Legende vom drohenden Betrug, vom Diebstahl der Wahl durch die Demokraten. Er zählt diverse Bundesstaaten auf, in denen er mit riesigem Vorsprung gesiegt habe, obwohl vielerorts die Auszählung noch läuft. Zum Beispiel Pennsylvania: „Wir haben dort gewonnen, mit ungeheurem Vorsprung.“ Seine Zuhörer springen auf, jubeln. Dabei wird in dem womöglich entscheidenden Swing-Staat mit 20 Wahlleuten noch gezählt, vermutlich noch tagelang. Trump liegt vorn, das stimmt. Aber Hunderttausende Briefwahlstimmen sind noch gar nicht ausgezählt. Und das will er verhindern, weil er vermutet, dass sie eher den Demokraten zufallen. Er werde vor den Supreme Court, das höchste Gericht der USA, ziehen und die weitere Auszählung unterbinden lassen, kündigt er an. Denn: „Ehrlich gesagt: Wir haben diese Wahl gewonnen.“

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