Afghanische Männer feiern das Abkommen.
Foto: AFP/NOORULLAH SHIRZADA

Washington/Doha/KabulDie USA und die militant-islamistischen Taliban haben ein Abkommen über Wege zu Frieden in Afghanistan unterzeichnet. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Das Abkommen soll einen stufenweisen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan einleiten und zu baldigen innerafghanischen Friedensgesprächen führen.

Die militant-islamistischen Taliban wollen an diesem Samstag keine Angriffe in Afghanistan durchführen. Die Islamisten befänden sich „wegen der Freude der Nation über die Unterzeichnung des Abkommens“ mit den USA über Wege zu Frieden in der Defensive, teilte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid laut der Deutschen Presse-Agentur am Samstag über Whatsapp mit.

Trump will Taliban-Anführer treffen - US-Abzug beginnt „sofort“

Der Text des Abkommens sieht laut der Nachrichtenagentur AFP vor, dass die USA über die kommenden Monate ihre Truppenstärke in Afghanistan zunächst von rund 13.000 auf 8600 reduzieren. Auf die Frage, wann dies beginnen werde, sagte Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus: „Heute. Sie werden sofort anfangen.“ 

US-Diplomat Zalmay Khalilzad und Taliban-Mitgründer Abdul Ghani Baradar unterzeichnen das Friedenabkommen zwischen den USA und den Taliban in Doha.
Foto:  AFP/KARIM JAAFAR

Gleichzeitig arbeiteten die USA mit der Nato und anderen Verbündeten daran, die Zahl der Nato-Truppen proportional dazu zu verringern, heißt es in der Erklärung weiter. Die USA und ihre Verbündeten würden alle ihre verbleibenden Streitkräfte innerhalb von 14 Monaten abziehen.

Dies gelte unter der Voraussetzung, dass die militant-islamistischen Taliban ihren Verpflichtungen aus einem zwischen den USA und den Taliban vereinbarten Abkommen nachkommen, hieß es weiter. Wie diese Verpflichtungen konkret aussehen, dazu gibt es keine Informationen in der Erklärung. In Medienberichten hieß es, die Taliban würden Garantien geben, dass das Land kein sicherer Hafen für Terroristen wird und sie Friedensgespräche mit der Regierung in Kabul aufnehmen. Sollten die Taliban sich nicht an ihre Zusagen in dem Abkommen halten, würden die USA „mit einer Macht zurückkehren, wie sie noch nie jemand gesehen hat“, so Trump.

Trump will nach eigenen Angaben mit Anführern der militanten Islamisten zusammenkommen. „Ich werde mich in nicht allzu ferner Zukunft persönlich mit Taliban-Führern treffen“, sagte der US-Präsident bei der Pressekonferenz.

Abkommen als „echter Test“

US-Außenminister Mike Pompeo sieht in dem Abkommen mit den Taliban einen „echten Test“ für die Bemühungen um dauerhaften Frieden in Afghanistan. „Wir stehen erst am Anfang“, sagte Pompeo am Samstag bei der Unterzeichnungszeremonie in Doha im Golfemirat Katar.

„Eine signifikante Verringerung der Gewalt wird die Bedingungen für Frieden schaffen, und das Fehlen derselben die Bedingungen für ein Scheitern.“ Pompeo warnte die Taliban, das Abkommen als Eingeständnis einer Niederlage der USA zu werten. „Ich weiß, dass die Versuchung groß sein wird, einen Sieg zu erklären. Aber ein Sieg für die Afghanen wird nur erreicht, wenn sie in Frieden und Wohlstand leben können.“

Stoltenberg und Guterres begrüßen Abkommen

US-Verteidigungsminister Mark Esper sprach von einem „Schlüsselmoment im Friedensprozess“. Der afghanische Präsidente Aschraf Ghani sagte: „Heute kann ein Moment sein, um die Vergangenheit zu überwinden.“ Die Regierung und das Volk in Afghanistan stimmten mit den internationalen Partnern überein, dass eine politische Lösung angestrebt werden müsse. „Wir sind zuversichtlich, dass wir einen nationalen Konsens für Frieden haben.“ Ghani dankte US-Präsident Donald Trump für dessen Bemühungen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte: „Das ist ein Sieg für Frieden und ein Sieg für das afghanische Volk.“

UN-Generalsekretär António Guterres hat das Abkommen begrüßt. Das sei eine „wichtige Entwicklung“, sagte Guterres am Samstag in New York laut Mitteilung. Er rief alle Beteiligten dazu auf, das Abkommen dauerhaft zu unterstützen. Die Vereinten Nationen stünden unterstützend an der Seite Afghanistans.