Donald Trump.
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WashingtonEine landesweite Schließung könne keine langfristige Lösung sein, sagte Trump am Donnerstagabend im Weißen Haus. 30 Prozent des Landes hätten in den vergangenen sieben Tagen keine neuen Coronavirus-Fälle gemeldet. Trumps Plan sieht laut dpa eine weitgehende Rückkehr zur Normalität in drei Phasen vor, wenn in Bundesstaaten oder Regionen in den USA bestimmte Kriterien erfüllt sind. Einen genauen Zeitplan beinhalten die Richtlinien nicht.

Stattdessen sollen Bundesstaaten oder Regionen vor dem Eintritt in jede der drei Phasen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen. So soll dort beispielsweise vor jeder neuen Phase die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen jeweils über einen 14-tägigen Zeitraum abgenommen haben. «Wir öffnen einen vorsichtigen Schritt nach dem anderen», sagte Trump. Er betonte, den Gouverneuren der Bundesstaaten bleibe es überlassen, die Richtlinien umzusetzen. Sollten sie beschließen, dass schärfere Schutzmaßnahmen weiter notwendig seien, «werden wir ihnen das erlauben». 

Noch am Montag hatte der Präsident gesagt, er habe bei der Frage der Wiederöffnung Amerikas die «allumfassende Macht». Trump reagierte damit auf Äußerungen von Gouverneuren mehrerer US-Bundesstaaten, die zuvor erklärt hatten, sich bei der Aufhebung der von ihnen verhängten Beschränkungen untereinander abstimmen zu wollen. 

Im besonders heftig von der Corona-Pandemie betroffenen US-Bundesstaat New York sind die relativ strengen Ausgangsbeschränkungen bis Mitte Mai verlängert worden. In Absprache mit anderen Bundesstaaten der Region seien die Beschränkungen zunächst bis zum 15. Mai verlängert worden, sagte Gouverneur Andrew Cuomo bei seiner täglichen Pressekonferenz am Donnerstag (Ortszeit). Wie es danach weitergehe, müsse man sehen. "Was passiert danach? Ich weiß es nicht. Das werden wir sehen, je nachdem was die Daten sagen."

Die Beschränkungen sehen unter anderem vor, dass die Menschen so viel wie möglich zu Hause bleiben sollen und in der Öffentlichkeit Abstand voneinander halten. Ab Freitag müssen in der Öffentlichkeit an belebten Orten zudem Masken oder eine andere Art von Mundschutz getragen werden. "Nicht lebensnotwendige" Geschäfte müssen geschlossen bleiben, Parks sind allerdings nach wie vor auf. Dass die Schulen bis zum Sommer nicht mehr aufmachen sollen, war schon zuvor angekündigt worden.

Unterdessen verdichten sich in dem Bundesstaat allerdings auch die Anzeichen für eine Trendwende in der Krise. Die Zahl der Patienten in den Krankenhäusern war am Donnerstag erneut rückläufig, ebenso die Zahl der Patienten auf Intensivstationen und an Beatmungsgeräten. Allerdings wurden auch fast 2000 neue Infektionen festgestellt, 606 Menschen starben zwischen Mittwoch und Donnerstag. Insgesamt sind in dem Bundesstaat mit rund 19 Millionen Einwohnern bereits mehr als 200 000 Menschen infiziert und mehr als 11 000 gestorben.

In den Fokus rücken in New York und den benachbarten Bundesstaaten dabei immer mehr die Alten- und Pflegeheime. Von den 606 Menschen, die im Bundesstaat New York zwischen Mittwoch und Donnerstag nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben seien, waren nach Angaben von Cuomo 29 in Alten- und Pflegeheimen gestorben. "Da schauen wir ganz genau hin."

In einem einzigen Pflegeheim im Nachbarbundesstaat New Jersey seien in den vergangenen Wochen mindestens 26 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben, berichtete die "New York Times". Dutzende weitere hätten sich infiziert. Das Pflegeheim sei von den vielen Toten so überfordert gewesen, dass die Polizei nach einem anonymem Hinweis 17 Leichen in einem kleinen Leichenschauhaus des Heimes entdeckt habe. Er sei von diesem Vorgang "entrüstet", sagte New Jerseys Gouverneur Phil Murphy.

Die in der Corona-Krise deutlich leereren Straßen in der Millionenmetropole New York zogen unterdessen immer mehr Raser an. Mit automatischen Radarkontrollkameras würden derzeit täglich etwa doppelt so viele Strafzettel wegen überhöhter Geschwindigkeit ausgestellt wie im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf städtische Daten. Am 27. März seien es beispielsweise 24 765 Strafzettel gewesen.

Die "dramatische Zunahme" an Rasern gebe Anlass zu "großer Sorge" - auch weil deshalb viele Unfälle passierten und die Krankenhäuser bereits mit Coronavirus-Patienten belastet seien, sagte die Verkehrsbeauftragte der Stadt, Polly Trottenberg. "Fahrer müssen an die anderen New Yorker denken - und langsamer fahren. Das ist ein kleiner Verzicht in dieser schrecklichen Krise."

Stunden nach Schluss des Haupt-Aktiengeschäfts ist am Abend kräftig Bewegung in den Terminhandel gekommen. Der Future auf den S&P 500 legte um fast drei Prozent zu. Marktteilnehmer verwiesen auf verschiedenen Nachrichten, die Hoffnungen auf eine Verbesserung der Corona-Lage geweckt hätten. So wurde ein Bericht veröffentlicht, demzufolge das Pharmaunternehmen Gilead Sciences Erfolge bei der Behandlung von Covid-19-Patienten mit dem Versuchs-Medikament Remdesivir erzielt habe.

Zudem kündigte der Flugzeugbauer Boeing an, in der kommenden Woche seine Produktion wieder anlaufen lassen zu wollen. Und schließlich verkündete US-Präsident Donald Trump, die Vereinigten Staaten in drei Phasen auf den Weg zur Normalität zurückführen und die Wirtschaft graduell wieder öffnen.