Tschechien weist 18 russische Diplomaten aus. Die Mitarbeiter der Prager Botschaft seien als Agenten der russischen Geheimdienste enttarnt worden, sagte Interims-Außenminister Jan Hamacek am Samstag. Laut Hamacek müssen die 18 Russen Tschechien binnen 48 Stunden verlassen. Darüber habe er den russischen Botschafter informiert, den er am Abend einbestellt habe. Ministerpräsident Andrej Babis sagte, es gebe „klare Beweise“ dafür, dass Angehörige des russischen Militärgeheimdienstes GRU in die Explosion in einem Munitionslager nahe dem Dorf Vrbetice 2014 verwickelt waren, bei der zwei Menschen getötet wurden. „Die Explosion hat großen materiellen Schaden verursacht und eine ernsthafte Bedrohung für viele Anwohner dargestellt, aber vor allem hat sie zwei Staatsbürger getötet“, sagte Babis.

Die Explosion hatte sich am 16. Oktober 2014 in einem Lager mit 58 Tonnen Munition ereignet. Mehrere Monate später gab es eine weitere große Explosion in einem nahegelegenen Lagergebäude mit 98 Tonnen Munition. Die tschechische Polizeieinheit gegen organisiertes Verbrechen (NCOZ) teilte mit, im Zusammenhang mit der Explosion werde auch nach zwei Verdächtigen gefahndet, deren Pässe auf die Namen Alexander Petrow, geboren 1979, und Ruslan Boschirow, geboren 1978, ausgestellt seien. Nach ihnen wird auch wegen des angeblichen Giftanschlags auf den ehemaligen Doppelagenten Skripal 2018 in Großbritannien gesucht.

Großbritanniens Außenminister Dominic Raab sicherte „unseren tschechischen Verbündeten“ die „volle Unterstützung“ zu. „Dies zeigt ein typisches Verhaltensmuster Moskaus, in Anlehnung an die Nowitschok-Attacke in Salisbury“, erklärte Raab am Sonntag. Er forderte Russland auf, „von diesen Taten abzulassen, die die grundlegendsten internationalen Normen verletzen“. Der tschechischen Polizei zufolge befanden sich die beiden Verdächtigen im Oktober 2014 auf tschechischem Staatsgebiet. Sie hätten auch tadschikische und moldawische Identitäten genutzt.

Moskau reagierte prompt: „Wir werden Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, die die Urheber dieser Provokation zwingen, ihre volle Verantwortung für die Zerstörung der Grundlage der normalen Beziehungen zwischen unseren Ländern zu verstehen“, teilte das russische Außenministerium am Sonntag mit. Die Ausweisung sei „absurd“ und ein „feindseliger Schritt“. Am Donnerstag hatte Polen drei russische Diplomaten „wegen Aktivitäten zum Schaden“ Polens ausgewiesen. (BLZ, mit AFP)