Großer Jubel in der Nacht zu Samstag in Berlin: Tausende Demonstranten versammelten sich spontan vor der türkischen Botschaft in der Tiergartenstraße in Berlin-Mitte, um lautstark gegen den Putschversuch in der Türkei zu protestieren. Zuvor hatte Präsident Erdogan Türken in aller Welt dazu aufgerufen, auf die Straße zu gehen.

Dieser Inhalt ist nicht mehr verfügbar.

Die Menschen zeigten ihre Solidarität mit der gewählten türkischen Regierung. Viele der Anhänger schwenkten türkische Flaggen, manche trugen T-Shirts mit dem Aufdruck „Türkiye“ (Türkei). Zu sehen waren auch Bilder von Präsident Erdogan, immer wieder wurden türkische Jubelgesänge angestimmt.

Demo löste sich am Samstag auf

Im Laufe der Nacht strömten immer mehr zum Platz vor der Botschaft. Gegen 23.30 Uhr waren es nach Angaben der Polizei etwa 150 Anhänger, zwei Stunden später bereits 3000 Demonstranten. Weil viele mit dem Auto kamen, sperrte die Polizei die Tiergartenstraße auf Höhe der Botschaft für den Autoverkehr ab. 260 Beamte waren im Einsatz.

Als dann am frühen Samstagmorgen gegen 2.15 Uhr die Nachricht die Runde machte, dass der Putschversuch von Teilen des Militärs womöglich niedergeschlagen worden sei, löste sich die Demonstration auf. Auf die Frage, ob sie für oder gegen den Militärputsch seien, sagte einer der Teilnehmer: „Es geht hier nicht um Politik, es geht um das Land.“ Um dann hinzuzufügen: „Aber das ist jetzt wieder unter Kontrolle.“

Graue Wölfe mischen sich unter Demonstranten

Unter den Teilnehmern der unangemeldeten Demonstration befanden sich jedoch auch Anhänger der rechtsextremen türkischen Gruppierung "Graue Wölfe" und anderer nationalistischer Organisationen. Vereinzelt wurde auch „Allahu akbar“ (Gott ist am größten) gerufen. Nennenswerte Zwischenfälle habe es jedoch trotz der hochemotionalen Stimmung nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher unserer Zeitung.

Ein türkischer Ladenmitarbeiter hat im Supermarkt am Mehringdamm die ganze Nacht über das türkische Fernsehen verfolgt. "Gottseidank ist es vorbei", sagt der 30-Jährige erleichtert. Erdogan sei gewählt worden und die Türkei eine Demokratie, meint der Berliner. "Wenn man etwas ändern will, muss man nach den Regeln spielen und bis zur nächsten Wahl warten", sagt er.