Die Türkei erlebt derzeit ihre erste große Abtreibungsdebatte. Der konservative türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat das Thema scheinbar unvermittelt auf die politische Agenda des Landes gesetzt und damit stürmische Reaktionen provoziert. „Abtreibung ist Mord“, erklärte er kürzlich auf einer Konferenz , und kündigte ein schärferes Gesetz an, um die bisherige, relativ liberale Regelung in der Türkei zu ersetzen. Statt in den ersten zehn Schwangerschaftswochen sollen Abbrüche bald nur noch in den ersten vier oder fünf Wochen straffrei sein.

Warum dieser Vorstoß des türkischen Regierungschefs, und wieso jetzt? Es handelt sich offenbar nicht um einen von Erdogans berüchtigten Spontanausbrüchen. Zweifellos wollte er auch von „Uludere“ ablenken, dem immer noch unaufgeklärten Angriff der türkischen Luftwaffe auf kurdische Schmuggler in Anatolien, der im Dezember 35 Tote forderte. Mit der Bemerkung „jede Abtreibung ist wie ein Uludere“, ging Erdogan zum Gegenangriff auf seine liberalen Kritiker über. Seither ist das Bombardement kein Thema mehr. Ein altgedienter Kolumnist der regierungsnahen Zeitung Yeni Safak, der dennoch darüber schrieb, wurde umgehend entlassen.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.