Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Foto: AFP/ADEM ALTAN

Berlin - Nach dem Tod von mindestens 33 türkischen Soldaten bei einem syrischen Luftangriff in Nordsyrien wächst die Befürchtung eines Krieges des Nato-Mitglieds Türkei mit Syrien sowie dessen Schutzmacht Russland. Die türkische Regierung machte deutlich, dass sie sich von den Nato-Verbündeten Unterstützung erwarte. Andernfalls öffne man die Grenzen für die Flüchtlinge Richtung Norden, drohte laut AFP ein ranghoher Regierungsvertreter. Aufgrund der Gerüchte machten sich am Freitag bereits Hunderte Flüchtlinge auf den Weg.

Griechenland und Bulgarien verstärkten ihre Grenztruppen. Die Nato erklärte nach einer Sondersitzung des Nordatlantikrates zwar ihre Solidarität mit der Türkei, aber konkrete Maßnahmen wurden nicht beschlossen. Der militärische Konflikt zwischen der Türkei und den syrischen Regierungstruppen war am Donnerstag eskaliert. Bei syrischen Luftangriffen auf türkische Stellungen in der nordwestsyrischen Provinz Idlib wurden 33 türkische Soldaten getötet.

Gepanzerte Militärfahrzeuge der türkischen Streitkräfte fahren auf der syrischen Seite der Grenze zur Türkei entlang.
Foto: dpa/Maya Alleruzzo

Bundesregierung plädiert für politische Gespräche 

Die Türkei reagierte mit Vergeltungsangriffen. Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in dem Bürgerkriegsland. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Rebellen. Mit Russland, Schutzmacht der syrischen Regierung, hatte sie ein Abkommen getroffen, um in Idlib eine Deeskalationszone und Beobachtungsposten einzurichten. Eigentlich gilt auch eine Waffenruhe. Allerdings war in den vergangenen Wochen Syrien mit russischer Unterstützung weiter in dem Gebiet vorgerückt.

Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Die humanitäre Lage ist dramatisch, fast die Deutsche Presse-Agentur die Lage zusammen. Die EU forderte ein sofortiges Ende der Eskalation in Syrien. Es gebe das Risiko einer „größeren, offenen internationalen militärischen Konfrontation“, schrieb der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.

Der Syrien-Krieg eskaliert. Die Türkei fordert jetzt Unterstützung der Nato. 
Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: SOHR, AFP

Die Bundesregierung  plädierte für zeitnahe politische Gespräche. Moskau warf der Türkei am Freitag vor, ihre getöteten Soldaten seien zum Zeitpunkt des Angriffs mit der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) unterwegs gewesen.

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Die Rebellen hätten eine große Offensive auf syrische Regierungstruppen versucht, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Dabei seien auch die türkischen Soldaten unter Beschuss gekommen. Die Türkei wies das zurück, vielmehr seien die Stellungen der türkischen Truppen zuvor mit Russland koordiniert worden.