Der türkische Präsident Erdogan. 
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Ankara/Brüssel/Damaskus/Moskau - Die Türkei hat in der Nacht zum Freitag Stellungen in Syrien angegriffen. Das berichten türkische Medien, die dpa und Reuters.

Der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun teilte in einer Stellungnahme mit, dass es sich bei dem Angriff um eine „Vergeltung“ handle. Nach türkischen Angaben habe die syrische Luftwaffe türkische Einheiten in Syrien angegriffen und dabei 33 Soldaten getötet. Die türkische Armee hält sich ohne UN-Mandat in Syrien auf. Die Türkei war im Zuge des Krieges in Syrien einmarschiert und möchte Teile des syrischen Territoriums unter ihre Kontrolle bringen.

Die Eskalation setzt auch die Nato unter Druck: Der Sprecher der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP, Ömer Celik, forderte laut dpa, die Nato müsse an der Seite der Türkei stehen. Gleichzeitig drohte er damit, syrischen Flüchtlingen im Land die Grenzen in Richtung Europa zu öffnen. Diese Drohung hat die Türkei in den vergangenen Monaten regelmäßig ausgesprochen, um politische oder militärische Interessen in der EU durchzusetzen.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu telefonierte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Dieser habe die Luftangriffe verurteilt, hieß es.

Die türkischen Soldaten, die am 27. Februar von syrischen Truppen unter Beschuss genommen wurden, sollen in einem Kampfverband mit al-Kaida-Verbänden agiert haben, teilte das russische Verteidigungsministerium laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS mit.

„Türkische Soldaten, die sich in den Kampfformationen der Terroreinheiten befanden, wurden am 27. Februar in der Nähe der bewohnten Gemeinde Behun von syrischen Truppen beschossen“, teilte das Ministerium in Moskau mit.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hätten Kämpfer der Hayat Tahrir al-Sham, so der aktuelle Name der al-Kaida in Syrien, am 27. Februar eine groß angelegte Offensive gegen die Positionen der syrischen Armee in der Region Idlib gestartet.

Das russische Versöhnungszentrum sei mit dem türkischen Koordinierungszentrum in Idlib in Kontakt geblieben, um Sicherheitsbedrohungen für die mit Russland vereinbarten türkischen Beobachtungsposten auszuschließen, die in der Deeskalationszone von Idlib stationiert sind, schreibt die TASS.

Der Nordatlantikrat der Nato kommt an diesem Freitag zu einem Sondertreffen zusammen. Die Türkei habe um dieses Treffen unter Artikel 4 der Nato-Verträge gebeten, teilte das Militärbündnis am Freitag mit. Artikel 4 besagt, dass jeder Alliierte jederzeit um Beratungen bitten kann, wenn seiner Meinung nach „die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist“.

Der Nordatlantikrat ist das wichtigste Entscheidungsgremium der Nato. Er trifft sich in der Regel einmal pro Woche auf Ebene der Botschafter und etwa halbjährlich auf Ebene der Außen- und Verteidigungsminister. Das Treffen am Freitag soll um 10.30 Uhr beginnen. Es wäre das sechste Mal seit der Nato-Gründung 1949, dass Artikel 4 ausgelöst wird - meistens von der Türkei.