Kampfjet der türkischen Luftwaffe vom Typ F 16.
Foto: Imago Images

AnkaraDie Türkei hat am Dienstag ihre Angriffe im Bürgerkriegsland Syrien intensiviert. Das Verteidigungsministerium in Ankara gab auf Twitter an, dass die türkischen Truppen einen Kampfjet des Typs L-39 der syrischen Luftwaffe abgeschossen hätten. Die syrische Nachrichtenagentur Sana bestätigte, auf das Flugzeug seien Raketen türkischer Kampfjets abgefeuert worden. Sie ließ jedoch offen, ob die Maschine tatsächlich abgeschossen wurde.

Bereits am Sonntag hatte die Türkei zwei syrische Kampfjets abgeschossen, was durch das syrische Verteidigungsministerium bestätigt worden war. Es handelte sich laut der Türkei um zwei Maschinen vom Typ Su-24, also russischer Bauart. Die Abschüsse bringen die russischen Streitkräfte in Bedrängnis. Militärisch kontrolliert Russland den Luftraum über Syrien.

Russische Warnung

Unmittelbar nach dem Abschuss hatte der Sprecher der russischen Operation in Syrien, Oleg Zhuravlev, der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge eine Warnung an die Türkei gerichtet: Die russische Militärführung könne unter diesen Umständen die Sicherheit von türkischen Flugzeugen über Syrien nicht mehr garantieren.

Die Tatsache, dass die türkischen Streitkräfte nach der Warnung durch die Russen erneut einen Angriff starteten, deutet darauf hin, dass Ankara seine territorialen Interessen in Syrien auch gegen Russland durchsetzen will. Inwieweit es Absprachen zwischen Russland und der Türkei gibt, ist nicht festzustellen. So hat Russland im Syrien-Krieg Israel immer wieder erlaubt, Angriffe auf Ziele in Syrien zu fliegen.

Einmarsch ohne UN-Mandat

Die Türkei ist vor Monaten ohne UN-Mandat in Syrien einmarschiert und hat ihren Vormarsch am Sonntag in Richtung Idlib fortgesetzt. Dort halten von der Türkei unterstützte ausländische und islamistische Milizionäre in ihrer letzten Bastion weite Teile der Provinz besetzt. Laut der türkischen Zeitung Daily Sabah will die Türkei bereits in den kommenden Tagen Luftabwehrraketen auf syrischen Boden verlagern. Die Türkei hat demzufolge bereits zahlreiche Drohnen-Schwärme im Einsatz, die den syrischen Streitkräften „signifikante Schäden“ zugefügt hätten. Nach Angaben des syrischen Verteidigungsministeriums hat die Türkei innerhalb der vergangenen 24 Stunden 327 syrische Soldaten in Syrien „neutralisiert“.

Am Donnerstag wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nach Moskau reisen, um mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Lage in Idlib zu beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Dienstag mit Putin laut Mitteilung des Kremls „im Detail die sich verschlechternde Lage in der Deeskalierungszone“ in Idlib besprochen.