Istanbul - Vier Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ bleiben bis zur Fortsetzung ihres Strafprozesses wegen Terrorpropaganda bis mindestens März in Untersuchungshaft.

Dies hat am Montag ein Gericht in Istanbul entschieden. Während der Anhörung wurde Investigativjournalist Ahmet Sik von Sicherheitskräften aus dem Saal gebracht, nachdem er von einem politischen Verfahren und einem „diktatorischen Regime“ in der Türkei gesprochen hatte.

Eklat vor Gericht

Sein Mitangeklagter, Chefredakteur Murat Sabuncu, weigerte sich dann aus Protest, mit dem Gericht zu sprechen.

Ende November war der Chefredakteur des Online-Auftritts der „Cumhuriyet“ wegen Terrorpropaganda zu drei Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Das Gericht befand Oguz Güven für schuldig, Propaganda für die Gülen-Bewegung gemacht und Erklärungen von Terrororganisationen veröffentlicht zu haben.

Türkei macht Gülen-Bewegung verantwortlich

Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Die Gülen-Bewegung gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Ihnen drohen bis zu 43 Jahre Haft. Die Angeklagten weisen alle Vorwürfe zurück; auch viele Unterstützer betrachten den Prozess als politisch motiviert. Vor dem Istanbuler Justizpalast Caglayan versammelten sich am Morgen dutzende Unterstützer und forderten auf Plakaten unter anderem „Gerechtigkeit für alle Journalisten“.

„Cumhuriyet“-Unterstützer demonstrieren vor Justizalast in Istanbul

Einige hielten die Titelseite der aktuellen „Cumhuriyet“ hoch, auf der steht: „Gerechtigkeit sofort“.„ Seit dem versuchten Militärputsch wurden in der Türkei mehr als 55.000 Menschen unter dem Verdacht festgenommen, zur Gülen-Bewegung zu gehören. Auch hunderte Oppositionelle, Journalisten, Akademiker und andere regierungskritische Intellektuelle wurden inhaftiert. (dpa, afp)