Türkei: Zweifel an Erdoğans Uni-Diplom

Köln - In der Türkei wird seit längerem eine Diskussion über ein angeblich falsches Uni-Diplom des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geführt. Sollte der 62-Jährige tatsächlich keinen Uni-Abschluss haben, könnte ihn das die Präsidentschaft kosten.

Abschluss ist Voraussetzung für das Präsidentschaftsamt

Zu den Voraussetzungen für eine Kandidatur um das Präsidentschaftsamt gehört laut Paragraf 101 der türkischen Verfassung neben dem vollendeten vierzigsten Lebensjahr, der türkischen Staatsbürgerschaft, einem Parlamentsmandat oder zumindest einer möglichen Wählbarkeit zum Parlamentsabgeordneten nämlich auch eine abgeschlossene Hochschulausbildung.

In seinem offiziellen Lebenslauf behauptet Erdoğan, er habe ein abgeschlossenes Studium an der Fakultät für Wirtschafts- und Handelswissenschaften der Universität Marmara im Jahre 1981 abgelegt. Allerdings nennt der türkische Präsident dabei ein Institut, das es in dieser Form gar nicht gegeben hat. Erst 1982 entstand aus der Zusammenlegung verschiedener Institute, unter anderem der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, die Fakultät für Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften.

Frage kam bereits vor der Kandidatur auf

Bereits vor der Präsidentschaftswahl im Jahr 2014 tauchte die Frage nach Erdoğans Diplom erstmals auf. Damals forderte ein Mitglied der Nationalistenpartei MHP dazu auf, Erdoğans Kandidatur nicht zuzulassen, weil seine angegebene Ausbildung nur auf einem dreijährigen, und nicht wie gesetzlich vorgeschrieben auf einem vierjährigen Lehrgang basiere. Die Archive der Marmara-Universtität sollen jedoch vor den Wahlen geschlossen gewesen sein, sodass eine Überprüfung nicht möglich gewesen sei.

Gegenüber dem Nachrichten-Portal „Diken“ bestätigten die Gegenkandidaten Erdoğans bei seiner Wahl im August 2014, das sie ihre Diplome vorlegen mussten. Eine Anfrage des ehemaligen Chefs der Richtervereinigung YARSAV, Ömer Faruk Eminağaoğlu, dass auch nach Erdoğans Diplom gesucht werden sollte, um seine Eignung für das Präsidentenamt zu überprüfen, wurde von der Wahlbehörde hingegen abgewiesen.

Universitäts-Rektor gibt Stellungnahme ab

Vergangenen Freitag teilte der Rektor der Marmara-Universität, Mehmet Emin Arat, in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen mit, dass Erdoğan ein Absolvent seiner Universität sei und die Vorwürfe „unfair und substanzlos“ seien. Außerdem äußerte sich der Sprecher des türkischen Präsidenten İbrahim Kalın zu den Vorwürfen: „Was wird von uns erwartet? Sollen wir Millionen Kopien des Diploms verteilen?“ (cbe)