Belit Onay (Grüne)
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Hannover Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover bekommt einen grünen Oberbürgermeister. Belit Onay setzte sich in einer  Stichwahl am Sonntag mit 52,9 Prozent der Stimmen gegen den CDU-Bewerber Eckhard Scholz durch, der auf 47,1 Prozent kam. Erstmals nach mehr als 70 Jahren stellt die SPD damit nicht mehr den Oberbürgermeister der niedersächsischen Landeshauptstadt. Der 38-jährige Belit Onay ist zugleich das bundesweit erste Oberhaupt einer Landeshauptstadt mit Migrationshintergrund. 

Grüne Oberbürgermeister gab oder gibt es bereits in Freiburg (bis 2018), Darmstadt und Stuttgart. Auch solche mit Migrationshintergrund oder gar ausländischer Staatsbürgerschaft gibt es bereits, wenn auch nicht in einer Landeshauptstadt: etwa in Rostock den Dänen Claus Ruhe Madsen (parteilos) und in Bonn Ashok-Alexander Sridharan (CDU) mit indischen Wurzeln.

Schwerer Schlag für die SPD in Hannover

Der Verlust des Oberbürgermeister-Postens in der Landeshauptstadt, den seit 1946 durchgängig ein SPD-Mann besetzte, war ein herber Schlag für die Sozialdemokraten - vor allem, da der Landesvorsitzende, Ministerpräsident Stephan Weil, bis 2013 selbst Oberbürgermeister von Hannover war.

Auslöser der vorzeitigen Oberbürgermeisterwahl war die Rathausaffäre, die den bisherigen Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) zum Rücktritt zwang. Die Staatsanwaltschaft hatte Ende April gegen ihn sowie seinen damaligen Bürochef und den suspendierten Kultur- und früheren Personaldezernenten Anklage erhoben - wegen schwerer Untreue. Es geht um unrechtmäßige Gehaltszulagen für den Bürochef und den früheren Feuerwehrchef. Schostok soll laut Anklage davon erfahren haben, ohne diese zu stoppen. Ob und wann es zu einem Prozess kommt, hat das Landgericht noch nicht entschieden.