Tunis - Vor der tunesischen Küste sind nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks UNHCR mindestens 65 Menschen ertrunken. Das Boot, mit dem die Migranten nach Europa gelangen wollten, sei etwa 45 Seemeilen (rund 83 Kilometer) vor der tunesischen Küstenstadt Sfax untergegangen, teilte die Organisation am Freitag mit. Es handele sich um den schlimmsten Zwischenfall seit mehreren Monaten. Die tunesische Nachrichtenagentur TAP sprach mit Verweis auf lokale Behörden von mindestens 70 Toten.

Das Unglück ereignete sich in internationalen Gewässern, wie das Verteidigungsministerium in Tunis am Freitag mitteilte. Ein Fischerboot habe 16 Schiffbrüchige retten können, sagte ein Ministeriumssprecher. Nach Behördenangaben kamen die Migranten überwiegend aus Ländern südlich der Sahara. Am späten Donnerstagabend hätten sie sich in der libyschen Hafenstadt Suara auf den Weg in Richtung Europa gemacht, berichteten Überlebende dem UNHCR. Anschließend sei das Boot aufgrund hoher Wellen in Seenot geraten.

Immer wieder ertrinken zahlreiche Flüchtlinge im Mittelmeer beim Untergang ihrer oft nicht seetüchtigen Boote, die meisten beim Versuch der Überfahrt von Libyen in die EU. Das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR ging im Januar von durchschnittlich sechs Toten pro Tag aus.

Insgesamt mindestens 2275 Tote waren es demnach im vergangenen Jahr. In den ersten vier Monaten des Jahres sind nach UN-Angaben bereits 164 Menschen zwischen Libyen und Europa ums Leben gekommen. Es wird vermutet, dass viele weitere Bootsunglücke nicht bekannt wurden. (afp, dpa)