Das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Martin Schulz ist in der Berliner Landespolitik auf ein geteiltes Echo gestoßen.

Die CDU fühlt sich nach der rund 95-minütigen Runde am Sonntagabend im Wahlkampf für die Bundestagswahl bestätigt. „Die Bundeskanzlerin hat wieder einmal gezeigt, warum die überwiegende Mehrheit der Deutschen ihr vertraut und die Zukunft unseres Landes in bewährten Händen lassen will“, sagte CDU-Fraktionschef Florian Graf der Deutschen Presse-Agentur.
„Ihre Kompetenz, ihre Verlässlichkeit und ihre Souveränität, Eigenschaften, die sie auch in der Diskussion mit ihrem Herausforderer unter Beweis gestellt hat, machen Sie zu der besten Kanzlerin für unser Land“, fügte Graf hinzu.

„Martin Schulz hat gezeigt, dass er ein Kanzlerkandidat ist, der mit klaren Ideen für eine gerechte Gesellschaft einsteht“, erklärte SPD-Sprecherin Birte Huizing. „Ein inhaltsleeres „Wir schaffen das“ der Kanzlerin wird es mit der SPD nicht geben. Wir wollen die Zukunft gestalten.“

Die Berliner Wirtschaftssenatorin und Grünen-Politikerin Ramona Pop zeigte sich enttäuscht vom TV-Duell. „Zukunftsthemen Bildung, Digitalisierung, Klimaschutz - Fehlanzeige beim #tvduell.“, twitterte sie. „Der 3. Platz entscheidet am 24.9. über Zukunft #btw17“.

Auch FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja twitterte, entscheidend sei, wer bei der Bundestagswahl am 24. September drittstärkste Kraft werde. Denn: „Schulz mag #GroKo doch keine Absage mehr erteilen.“ Gemeint ist die große Koalition. Aus seiner Sicht sei das TV-Duell „langweilig“ gewesen, so Czaja. Um Platz drei bei der Bundestagswahl streiten sich den Umfragen zufolge FDP, Grüne, Linke und AfD.

Meinungen zum TV-Duell gehen in Brandenburg weit auseinander

Das TV-Duell hat in Brandenburg ein geteiltes Echo ausgelöst. Brandenburgs SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz lobte die Haltung von Schulz in der Türkei-Frage. „Klare Worte von Martin Schulz zur Außenpolitik. Die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei müssen beendet werden“, erklärte Geywitz am Sonntagabend in einer ersten Reaktion. Leider sei für die Innenpolitik nur wenig Raum im TV-Duell geblieben. Klar sei aber: „Eine verlässliche Rente gibt es nur mit Martin Schulz. Frau Merkel verteidigt nach wie vor die unsinnige Maut und ist beim Dieselskandal viel zu nachgiebig.“

CDU-Generalsekretär Steeven Bretz meinte hingegen: „Besonnen, sachlich und mit guten Ideen für die Zukunft: unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat damit klar im TV-Duell überzeugt. Vertrauen, Sachkompetenz und Inhalte zählen eben mehr als Fahrigkeit, Überheblichkeit und Worthülsen.“

„Beim TV-Duett war heute großes Regierungskuscheln angesagt. Die SPD bleibt Junior-Partnerin der CDU“, sagte die Landesgeschäftsführerin der Linkspartei, Anja Mayer. „Frau Merkel hat mich beim Kanzlerduell an die Kapelle auf der Titanic erinnert: sie spielt weiter, während wir direkt auf den Eisberg zusteuern: größter Niedriglohnsektor, maximal ungleich verteilter Reichtum, Dieselgate. Alles ein weiter so!“ Schulz habe sich darauf eingerichtet, der kleinere Koalitionspartner zu sein.

Die Spitzenkandidatin der Grünen in Brandenburg, Annalena Baerbock, kritisierte die Themenauswahl. „Es ist frappierend, dass zentrale Zukunftsfragen wie die Klimakrise, die dieser Tage ihre massiven Auswirkungen auch bei uns zeigt, oder auch die Digitalisierung so gar keine Rolle spielten.“ Grünen-Landeschefin Petra Budke sagte: „Das Duell hat gezeigt, dass Debatten ohne Opposition einfach langweilig sind. Die Große Koalition debattiert mit sich selbst und die entscheidenden Zukunftsfragen werden nur am Rande gestreift.“ (dpa)