Berlin - Die Nachricht von dem mörderischen Anschlag am Berliner Breitscheidplatz war gerade zwei  Stunden alt, als Pegida-Gründer Lutz Bachmann am Montagabend beim Kurznachrichtendienst Twitter einen Kommentar absetzte. „Interne Info der Berliner Polizeiführung: Täter tunesischer Moslem“, twitterte er um 22.16 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei einen 23-jährigen Pakistaner festgenommen, der stundenlang als Tatverdächtiger gehandelt wurde. Bachmanns Tweet fand wenig Beachtung, und auch der Pegida-Gründer insistierte zunächst nicht weiter.

Nachdem jedoch bekannt wurde, dass der Pakistaner nicht der Täter war, erschien der frühe Tweet des Dresdner Islamfeindes in einem anderen Licht. „Na klar…“, kommentierte Bachmann am Dienstag die Nachricht, dass die Polizei den falschen Mann in Gewahrsam genommen habe. Als dann die Identität des mutmaßlichen tatsächlichen Attentäters, des 24 Jahre alten Tunesiers Anis Amri, bekannt wurde, triumphierte er: „Da stimmte meine Info von 1h nach dem Anschlag wohl doch?“ Nicht nur im Netz erfährt der Vorgang zunehmend Aufmerksamkeit. Auch die renommierte Terror-Expertin der New York Times, Rukmini Callimachi, meldete sich zweimal bei Bachmann und bat um Kontaktaufnahme. 

Macht sich Bachmann nur wichtig?

Wusste Bachmann also tatsächlich mehr als die Öffentlichkeit? Oder macht sich der vorbestrafte Rechtspopulist mit dem großen Ego einfach wichtig? Schließlich postet der Aktivist quasi im Stundentakt ausländerfeindliche Parolen. Tunesier und Algerier werden in Deutschland überproportional häufig straffällig. Es wäre also denkbar, dass Bachmann die Nationalität beliebig gegriffen hat und zufällig richtig lag.

Was aber, wenn es anders war und es doch einen Informanten gab? Der einstige Betreiber einer Werbeagentur befeuerte zwei Tage lang diese politisch höchst beunruhigende Version der Geschichte. Unmöglich erscheint sie nach den Vorgängen in Sachsen, wo gegen zwei Polizeibeamte wegen des Verdachts des Geheimnisverrats an die rechte Terrorzelle „Gruppe Freital“ ermittelt wird, nicht.

Es sei nicht schwierig gewesen, vor allen anderen an die Information heranzukommen, brüstete sich Bachmann bei Twitter in holprigem Englisch:  „just need the right connections and a whistleblower that is sick of the lies“.

Mit anderen Worten: Man brauche nur ein paar gute Kontakte und eine undichte Stelle, die der offiziellen Lügen überdrüssig sei. Eifrig strickte der Pegida-Gründer angesichts der befremdlichen Vorgeschichte des Tatverdächtigen Anis Amri auch schon an einer Verschwörungstheorie: „Warum wurde erst der Pakistane präsentiert?“, twittert er: „Um Pannen von Merkelpolitik, BKA usw. zu decken?“

Polizei widerspricht

Doch so kann es nach Darstellung der Polizei gar nicht gewesen sein. „Ich kann hundertprozentig ausschließen, dass die Berliner Polizei bereits am Montagabend Hinweise auf einen tunesischen Tatverdächtigen hatte“, sagte der Berliner Polizeisprecher Winfrid Wenzel am Donnerstag. Folglich hätten die Behörden nichts zurückhalten und Bachmann auch keinen Tipp bekommen können.

Die Geldbörse mit den Aufenthaltspapieren von Amri sei erst am Dienstagmorgen im Führerhaus des Lastwagens gefunden worden. Offenbar, heißt es bei der Polizei, habe Bachmann wild spekuliert und dabei einen „kuriosen bizarren Treffer“ gelandet. Seinen Spaß dürfte der Rechtspopulist dabei gehabt haben. „Liebe Presse, ich gebe zu, ich hatte natürlich meine Glaskugel und keinen Informanten“, twitterte er am Donnerstag: „Und jetzt bitte Ruhe geben, ok?“