Für die Wissenschaft geht es im Zusammenhang mit der Impfpflicht jetzt schon um den kommenden Herbst. Man kann die weite Perspektive an den Äußerungen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ablesen. Zum Beispiel wenn er sagt, Omikron ersetze die Impfung nicht. Und dass der Ungeimpfte, der jetzt eine Omikron-Infektion bekommt, im Herbst trotzdem nicht gegen andere Varianten geschützt sein werde. Deshalb will er weiter eine Impfpflicht.

Auch der Virologe Christian Drosten hält es für entscheidend, bis zum nächsten Winter genügend Immunität aufzubauen. Er sieht allerdings auch in der hochansteckenden Omikron-Variante eine Chance, auf eine hohe Immunitätsrate in der Bevölkerung zu kommen. Geht es nach dem Vorsitzenden des Hausärzteverbands Wolfgang Kreischer, braucht man mit Omikron die ganze Impfpflicht nicht mehr.

Schon angesichts dieser Vielstimmigkeit ist es kein Wunder, dass die Zustimmung zu einer Impfpflicht in der Bevölkerung sinkt. Wer wird am Ende recht behalten? Man weiß es nicht. Als Laie schon gar nicht. Dazu kommt die Ermüdung. Irgendwann muss es doch mal vorbei sein mit der Ausnahmesituation, dem ewigen Streiten übers Impfen, wir alle sind die Debatten leid.

Dummerweise beginnt der Austausch der Argumente gerade erst – jedenfalls im Parlament. Auf der politischen Ebene wird den ganzen Winter über die Impfpflicht gestritten werden. Das muss so sein, schon allein deswegen, weil es hier um einen erheblichen Eingriff in die Selbstbestimmung geht.

Noch ist mehr als die Hälfte der Bürger in Deutschland für eine Impfpflicht. Wenn es blöd läuft, sinken aber die Zustimmungswerte in der Bevölkerung weiter, und die Politik beschließt nach dem Austausch aller Argumente und dem Abwägen des Für und Wider eine wie auch immer geartete Impfpflicht zu einem Zeitpunkt, an dem nur noch die wenigsten Bürger darin einen Sinn erkennen.

Unwahrscheinlich ist das nicht. Das allerdings wäre dann eine echte Herausforderung für die Umsetzung.