Potsdam - Ein Treffen von rund 40 Außenministern aus aller Welt hat am Donnerstagabend die Potsdamer Innenstadt lahmgelegt. Denn nach ihrer Konferenz in einem Tagungshotel in der nördlichen Innenstadt unternahmen die Chefdiplomaten eine ausgiebige Stadtrundfahrt auf der Schiene und dem Wasser. Als die Chefdiplomaten von der russischen Siedlung Alexandrowka mit einer historischen Straßenbahn durch die historische Innenstadt tingelten, wurde die Fahrstrecke über die Hauptdurchgangsstraße komplett abgeriegelt.

Mehr als tausend Polizisten waren im Einsatz, um die Sicherheit der Teilnehmer an der Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) unter Führung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zu gewährleisten. Obwohl eine Hauptverkehrsstraße am Tagungshotel komplett gesperrt war, lief auch der Berufsverkehr nach Angaben der Polizei weitgehend störungsfrei. „Die Potsdamer haben sich gut auf die Lage eingerichtet“, sagte Polizeisprecher Dietmar Keck. Dabei half, dass weitere Proteste linker Gruppen nach einer friedlich verlaufenen Demonstration am Vorabend ausblieben.

Ausgesprochen ruhig blieb es auch den ganzen Tag über in der Innenstadt: Auf den Straßen waren auffallend wenige Menschen unterwegs. Wer konnte, mied das Zentrum. „Heute hat sich das nicht gelohnt - wir hatten kaum Kundschaft“, seufzte eine Verkäuferin eines Wurststandes, die auf dem zentralen Bassin-Platz ihre Waren zusammenpackte.

Am Abend kam es dann zu kleineren Verkehrsstaus in der Innenstadt, nachdem die Polizei die Lange Brücke für den Autoverkehr gesperrt hatte. Vom nahegelegenen Stadthafen aus fuhren die Diplomaten mit dem Fahrgastschiff „Belvedere“ der Weißen Flotte bis zur Glienicker Brücke, die einst im Kalten Krieg Ost und West verband. Während der Bootstour wurden alle drei Havelbrücken abgesperrt und auch die Schifffahrt auf dem Fluss kam für eine gute Stunde zum Erliegen. Mit einem gemeinsamen Gang über die Brücke erinnerten die Außenminister am Abend an die einstige Teilung Europas an dieser historischen Stelle.

Rund 1200 Polizisten aus mehreren Bundesländern sicherten das OSZE-Treffen ab. Auf dem Hotel „Mercure“ am Stadthafen waren Scharfschützen postiert. An jeder Ecke standen in der Innenstadt Polizeitransporter und Gruppen von Beamten. Über der Stadt kreisten Hubschrauber, Polizeitaucher untersuchten den Stadthafen und die Anlegestelle an der Glienicker Brücke nach verdächtigen Gegenständen. Nach Angaben von Polizeivizepräsident Roger Höppner war es einer der bisher größten Polizeieinsätze in Brandenburg. (dpa)