Berlin - Nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag greift die Wirtschaft der Partei wieder verstärkt unter die Arme. Nach Recherchen dieser Zeitung erhielten die Liberalen im auslaufenden Jahr Großspenden von insgesamt 550.000 Euro.

Das ist fast doppelt so viel wie 2014.

Damit entfielen ein Drittel aller in Deutschland getätigten Parteispenden über 50.000 Euro auf die FDP. Die SPD erhielt lediglich Großspenden in Höhe von 220.000 Euro. Die CDU kassierte 580.000 Euro.

Sponsorenbeiträge sind gern gesehen

Die Summen ergeben sich aus einer Aufstellung der Bundestagsverwaltung. Nach dem Parteiengesetz müssen Spenden, die 50.000 Euro übersteigen, unverzüglich angezeigt und veröffentlicht werden. Kleinere Zuwendungen lassen sich nur teilweise mit anderthalbjähriger Verzögerung aus den Rechenschaftsberichten der Parteien herauslesen.

Aufwendungen für das bei Konzernen zunehmend beliebte Sponsoring müssen dort nicht gesondert ausgewiesen werden. „Das halte ich für skandalös. Es muss sichtbar sein, wer welcher Partei wofür Geld gibt“, sagte Michael Koß, der Parteienfinanzierungs-Experte von Transparency International, dieser Zeitung.

FDP-Freunde aus der Gesundheitswirtschaft

Offenbar erfreut sich die FDP vor allem im Umfeld der Gesundheitswirtschaft großer Beliebtheit. Im November hatte ihr zunächst die R&W Industriebeteiligungen GmbH aus Köln 250.000 Euro überwiesen.

Hinter dieser Holding, die bereits 2013 und 2014 die FDP unterstützte, steht der Geschäftsmann Walter Wübben, der frühere Haupteigentümer des Klinikbetreibers Damp Holding.

Wenige Wochen später spendete der Milliardär Lutz Helmig, der Gründer der Helios-Kliniken, den Liberalen 200.000 Euro. Drei Tage vor Heiligabend gingen bei der FDP schließlich 100.000 Euro vom baden-württembergischen Verband der Metall- und Elektroindustrie ein.

Spenden lohnen sich kaum

Mit insgesamt 1,7 Millionen Euro liegt die Summe der Großspenden an alle Parteien zwar leicht über dem Vorjahresniveau von 1,5 Millionen. Allerdings wird der Vergleich durch die einmalige Überweisung von 252.000 Euro an die marxistische Splitterpartei MLPD durch Helmut Klamser, den Organisator der Oberhausener Anti-Hartz-IV-Demo, leicht verzerrt.

Bei den im Bundestag vertretenen Parteien schwindet die Bedeutung der Großspenden seit längerem. So tauchen langjährige Spender wie der Münchner Finanzkonzern Allianz und der Autobauer BMW nicht mehr auf der Unterstützerliste auf.

Die Allianz hat ihre Spenden reduziert, und BMW ist ganz auf das Sponsoring umgestiegen. „Wir setzen jetzt auf Projektkooperationen. Das macht für uns mehr Sinn“, sagte Konzernsprecher Nikolai Glies dieser Zeitung.