Berlin - Der Überfall in Köln - das waren sie nicht. Zwei Männer hatten am 24. März einen Geldboten auf einem Ikea-Parkplatz bedroht und ausgeraubt, waren mit dem Auto geflohen, hatten den Wagen dann angezündet und entkamen mit ihrer Beute in unbekannter Höhe. Das Muster des Überfalls ähnelte der Methode, nach der drei untergetauchte ehemalige RAF-Terroristen seit Jahren in Norddeutschland zuschlagen. Aber das Landeskriminalamt in Hannover winkte ab: Keine Hinweise in Köln auf das gesuchte Trio.

Alle Taten werden in Norddeutschland verübt

Wo verstecken sich Daniela Klette, 59, Burkhard Garweg, 49 und Ernst-Volker Staub, 63? Seit bald 30 Jahren sind die Ex-Terroristen auf der Flucht und wie vom Erdboden verschwunden. Seit einigen Jahren wissen bundesdeutsche Ermittler jedoch, dass das Trio noch gefährlich unterwegs ist: Nach einem gescheiterten Überfall auf einen Geldtransporter in Stuhr südwestlich von Bremen fand die Polizei 2015 DNA-Spuren, identisch mit Spuren bei einem Raub in Duisburg im Jahr 1999. Mindestens neun Raubüberfälle und Versuche seit 2011 sollen auf das Konto der Ex-Terroristen gehen. Auffällig: Alle Taten werden in Norddeutschland verübt.

Am Mittwochabend befasste sich der Justizausschuss des Landtages Niedersachsen in geheimer Sitzung mit dem rätselhaften Trio. Die Abgeordneten wollten wissen, wie die Fahndung läuft, ob es eine heiße Spur gibt. Der NDR berichtete, die Ermittler würden die Bedrohungslage durch neue Überfälle des Ex-RAF-Trios als „sehr groß“ bezeichnen. Ansonsten: Schweigen.

In halb Europa wurde nach den Dreien gesucht. In den Niederlanden, in Frankreich und Spanien, in Italien. Zum Schluss vermutete man sie in Italien. Ein deutscher Urlauber wollte einen der Gesuchten 2017 auf einem Campingplatz bei Venedig gesehen haben. Aber die Sache verlief im Sand. Für einen Aufenthalt im Ausland spricht, dass es in Deutschland trotz intensiver Fahndung keinen entscheidenden Hinweis gab. Man vermutet, die drei ehemaligen Linksterroristen könnten sich auf alte Netzwerke Gleichgesinnter wie die baskische ETA oder die Roten Brigaden in Italien stützen. Andererseits tauchten die drei besonders häufig um Bielefeld und Osnabrück auf und kauften dort ihre Fluchtautos – möglicherweise gebe es auch dort Unterstützer.

„RAF-Rentner“ der dritten Generation

Nach Einschätzung der Ermittler gehören die „RAF-Rentner“ zur dritten Generation, die für mehrere ungeklärte Morde verantwortlich sein soll. Prominente Opfer jener Jahre waren 1989 Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen und zwei Jahre später Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder. Die Raubüberfälle auf Geldboten und Geldtransporter haben nach Erkenntnis der Kriminalpolizei nichts mehr mit Terrorismus zu tun: Es gehe schlicht und einfach um Geld fürs Überleben in der Illegalität. (mit dpa)