Der legendäre Posträuber Ronnie Biggs, der nach einem Millionendiebstahl jahrzehntelang auf der Flucht war, ist tot. Biggs starb am Mittwoch im Alter von 84 Jahren, wie das britische Justizministerium in London mitteilte. Er hatte zu einer 15-köpfigen Bande gehört, die 1963 auf spektakuläre Weise einen Postzug ausraubte. In den vergangenen Jahren war er schwer krank und bettlägerig.

Biggs und seine Komplizen hatten in der Nacht vom 7. auf den 8. August 1963 einen Postzug auf dem Weg von Glasgow nach London ausgeraubt und dabei 2,6 Millionen Pfund erbeutet. Die Summe wäre heute 54 Millionen Euro wert. Die Bande hatte die Bahnsignale manipuliert, weshalb der Lokführer an einer roten Ampel hielt. Er wurde zusammengeschlagen, dann verschwanden die Diebe unbemerkt vom Rest der Zugbesatzung mit 120 Säcken voller Bargeld. Dank eines Tipps konnte die Polizei das Versteck der Diebe auf einem Bauernhof finden und sie festnehmen.

Neun der Täter, darunter Biggs, wurden 1964 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Biggs verbüßte von der Strafe jedoch nur 15 Monate: Er floh aus dem Gefängnis und tauchte in den folgenden 35 Jahren in Belgien, Frankreich, Australien und Brasilien unter. Sein Gesicht ließ er sich operativ verändern. In Brasilien hatte er mit einer brasilianischen Frau einen Sohn, Michael. Dadurch war er vor einer Auslieferung geschützt.

Doch 2001 bereitete er selbst seiner Flucht ein Ende: Krank und finanziell ruiniert kehrte er nach Großbritannien zurück und stellte sich den Behörden. 2009 wurde Biggs wegen seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes begnadigt. Er war auf Bewährung frei.

In den vergangenen Jahre lebte Biggs in einem Pflegeheim im Norden Londons. Nach mehreren Schlaganfällen konnte er nicht mehr laufen, sprechen und essen. Im Jahr 2011 zeigte er sich noch einmal vor der Presse, um eine Neuauflage seiner Autobiographie vorzustellen. Als er mit einem Fanschal von Arsenal London um den Hals im Rollstuhl auf dem Podium saß, konnte er schon nicht mehr sprechen.

Sein letzter öffentlicher Auftritt war im März dieses Jahres in London bei der Beerdigung seines einstigen Komplizen Bruce Reynolds, der als Kopf der Postraubbande galt. Mit einem „Victory„-Zeichen begrüßte Biggs die wartenden Journalisten. Deren zahlreiches Erscheinen zeigte, wie groß auch 50 Jahre nach der Tat die Faszination für dieses „Jahrhundertverbrechen“ war. Zufällig wollte der britische Sender BBC am Mittwoch- und Donnerstagabend zwei neue Filme über den Postraub ausstrahlen.

Reue für den spektakulären Millionenraub hat Biggs nie gezeigt. Allein der Zugführer Jack Mill, der sich nie von seinen Verletzungen erholte und ein paar Jahre nach der Tat starb, tat ihm leid. Jedoch rühmte sich Biggs „stolz“, „einer der wenigen Zeugen dieses Jahrhundertverbrechens“ zu sein.

Sein Sohn Michael Biggs war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auf dessen Handy-Mailbox war jedoch eine Nachricht: „Aus nahe liegenden Gründen nehme ich heute nicht viele Anrufe an.“ (AFP)