Ukraine ist zufrieden und überzeugt, dass deutsche Panzer kommen werden

Während international über Deutschlands Verweigerungshaltung gegenüber der Ukraine kontrovers diskutiert wird, scheinen die Ukrainer gar nicht so unzufrieden zu sein.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (l.) mit seinem ukrainischen Kollegen Olexij Resnikow (r.) und dem amerikanischen Verteidigungsminister Lloyd Austin auf der Ukraine-Konferenz in Ramstein im Januar 2022
Verteidigungsminister Boris Pistorius (l.) mit seinem ukrainischen Kollegen Olexij Resnikow (r.) und dem amerikanischen Verteidigungsminister Lloyd Austin auf der Ukraine-Konferenz in Ramstein im Januar 2022Hannes P. Albert/dpa

Die Ramstein-Konferenz hat kein eindeutiges deutsches Bekenntnis gegenüber Panzerlieferungen an die Ukraine gebracht. Doch das scheint nur ein Teil der Wahrheit zu sein. Die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza berichtet in ihrer Montagsausgabe, dass die ukrainische Führung durchaus zufrieden sei mit den Ramstein-Ergebnissen und sich auch Deutschland gegenüber gar nicht so kritisch positionieren würde.

Der Vorspann des Artikels lautet in seiner Onlinefassung: „Obwohl in Ramstein keine Einigung über die Lieferung von Panzern an die Ukraine erzielt werden konnte, ist Kiew zuversichtlich, dass es die Panzer dennoch erhalten wird. Die Ukraine drängt darauf, bei der nächsten Sitzung im Februar über westliche Flugzeuge sprechen zu wollen.“

Dankbarkeit der Ukraine für die deutsche Unterstützung

Oleksij Resnikow, der Verteidigungsminister der Ukraine, äußerte sich positiv über sein Treffen mit dem deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius: „Wir hatten ein ehrliches Gespräch über die Leopard-2-Panzer. Es wird ein Follow-up geben. Ich habe auch der deutschen Regierung und Bevölkerung für ihre militärische Unterstützung und Gastfreundschaft während des 8. Ramstein-Treffens gedankt.“

Den Grund für die Zuversicht könne man sinnvoll begründen, heißt es in dem Text der Gazeta Wyborcza. „Die Ukraine hat viel Unterstützung erhalten, auch in Form von Waffen, die zuvor unerreichbar schienen.“ Vor dem Treffen in Ramstein hätten die USA eine weitere Vergabe von 2,5 Milliarden US-Dollar an Militärhilfe für das Land versprochen. Dazu gehören unter anderem dringend benötigte Artillerie und Raketen für die Flugabwehrsysteme HIMARS und NASAMS sowie 59 schwere Infanteriefahrzeuge vom Typ Bradley und 90 gepanzerte Mannschaftstransporter vom Typ Stryker. Großbritannien will Panzer des Typs Challenger 2 liefern, aus anderen Ländern soll die Ukraine gepanzerte Fahrzeuge und weitere Artilleriesysteme erhalten, so die Gazeta Wyborcza.

Deutschland engagiert sich militärisch

Hinter verschlossenen Türen soll es zu weiteren Deals gekommen sein. „Einige [Hilfspakete] wurden hinter verschlossenen Türen angekündigt, das ist sehr inspirierend, und ich bin sehr glücklich“, sagte Oleksij Resnikow den ukrainischen Medien.

In den vergangenen Monaten hätten die USA und Deutschland die Lieferung von Patriot-Raketen zugesagt, die in der Lage seien, Überschall-Marschflugkörper und Raketen abzuschießen. Die Niederlande hätten außerdem beschlossen, zwei Patriot-Raketenwerfer und Ersatzteile zu spenden.

Der ukrainische Verteidigungsminister gab laut Gazeta Wyborcza an, dass in Ramstein über weiteres Engagement des Westens diskutiert wurde. „Wir haben in Ramstein nicht nur über Patriots gesprochen, sondern auch über andere Systeme. Es ging dabei um kurz-, mittel- und langfristige Reichweiten.“ Deutschland habe eine Milliarde US-Dollar an Hilfen zugesichert, Flugabwehrsysteme des Typs Iris-T SLM, 7 Gepard-Panzer und weitere Waffen.

Beim nächsten Treffen soll es um Flugzeuge gehen

Am Ende heißt es in dem Text: „In Kiew glaubt man, dass man – so wie es gelungen ist, die Bedenken gegen die Lieferung neuester Flugabwehrsysteme an die Ukraine zu zerstreuen – Berlin in der Panzerfrage ebenfalls einlenken wird.“

Der ukrainische Verteidigungsminister äußerte sich an dieser Stelle ebenfalls optimistisch: „Wir haben einen Durchbruch erzielt – die Länder, in denen es Leoparden gibt, können also mit der Ausbildung unserer Besatzungen beginnen. Ich hoffe, dass Deutschland im ruhigen Modus der internen Konsultationen zu einer Entscheidung über die Möglichkeit der Übergabe der Panzer reifen wird. Ich sehe die Sache optimistisch.“

Andrij Jusow, Vertreter der Hauptnachrichtendirektion des ukrainischen Verteidigungsministeriums, sagte dem ukrainischen Fernsehsender Espreso, Deutschland zaudere nun damit, wie man die Panzerlieferungs-Entscheidung der deutschen Bevölkerung vermitteln könne.

„Dies ist ein entscheidender Moment. Russland formiert sich neu, rekrutiert Truppen und versucht, sich weiter aufzurüsten. Jetzt ist keine Zeit zum Zögern. Es ist notwendig, jetzt weiterzumachen“, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in Ramstein.

Selenskyjs Berater nannte das gut verlaufende Ramstein-Treffen auch „Panzer-Ramstein“. Beim nächsten Treffen Mitte Februar würde es um Flugzeuge gehen. Selenskyj würde Flugzeuge vom Westen des Typs F-16 fordern.

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