Mariupol/Kiew - Beim Beschuss eines Wohnviertels in Mariupol sind nach jüngsten Angaben der Behörden mindestens 27 Menschen getötet und fast hundert weitere verletzt worden.

Nachdem sich zunächst das Militär und die Aufständischen gegenseitig für den Angriff verantwortlich machten, haben sich die prorussischen Separatisten nun zu dem Raketenangriff auf die südostukrainische Hafenstadt Mariupol bekannt. Der „Präsident“ der selbstproklamierten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko, sagte der Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Samstag, dies sei der Beginn einer Offensive auf die strategisch wichtige Hafenstadt.

Die neue Gewalteskalation untergräbt Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Seit einem Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs am Mittwoch in Berlin hat sich die Lage im Bürgerkriegsgebiet verschärft. Dutzende Zivilisten wurden getötet.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) schickte nach eigenen Informationen Beobachter zur Überprüfung des Vorfalls nach Mariupol. Die OSZE forderte ein sofortiges Ende der Kämpfe in Wohngegenden sowie den Abzug schwerer Waffen, wie ihn Vertreter der ukrainischen Führung und der moskautreuen Separatisten in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbart hatten.

Die OSZE sei zu Vermittlungen bereit, hieß es. Die Aufständischen hatten neue Gespräche in Minsk jedoch zunächst abgelehnt. Ihr Anführer Alexander Sachartschenko sagte, er wolle nur noch mit Präsident Petro Poroschenko sprechen. In dem Konflikt wurden nach UN-Angaben seit April 2014 mehr als 5000 Menschen getötet.

Nach der EU hat auch die Nato Russland aufgefordert, die moskautreuen Separatisten in der Ostukraine nicht mehr zu unterstützen.

Russland müsse aufhören, die Ukraine zu destabilisieren, und stattdessen seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen, erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Samstagabend in Brüssel. Russische Truppen in der Ostukraine würden die neue Offensive der Separatisten unterstützen, unter anderem mit Kommando- und Kontrollsystemen und Technik zur Luftverteidigung. (dpa, afp)