+++Ukraine-Newsticker+++: „Ich werde auf ihn schießen“

Kiew - +++20:07 Uhr: Prorussische Kräfte fordern Waffen von Russland+++

Der selbsternannte „Bürgermeister“ der ostukrainischen Stadt Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarew, droht dem ukrainischen Innenminister Arsen Awakow mit Gewalt: „Wenn er (nach Slawjansk) kommt, werde ich selbst auf ihn schießen.“ Awakow hatte am Sonntag einen Besuch in der Ostukraine angekündigt, um sich ein Bild von den dort eingesetzten Einheiten der Nationalgarde zu machen. Er sagte nicht, ob der Besuch im Zusammenhang mit der Schießerei stand, bei der in der Nacht zum Sonntag nahe Slawjansk mindestens zwei Menschen getötet wurden.

Zudem will Ponomarew erreichen, dass Russland Waffen für den Kampf gegen die ukrainischen Truppen schickt. Er bitte die russische Regierung und den Präsidenten Wladimir Putin um Hilfe, sagte er am Sonntag. „Wenn Sie uns keine Friedenstruppen schicken können, liefern Sie uns Waffen“, appellierte er an Moskau. Einige Stunden zuvor hatte Ponomarew Russland um die Entsendung von „Friedenstruppen“ gebeten, um die „friedliche Bevölkerung“ gegen die ukrainischen Streitkräfte zu „verteidigen“.

Ponomarew sagte, Russland habe auf diese Bitte noch nicht reagiert. „Wir brauchen Waffen, wir haben nicht genug“, fügte er hinzu. Das ukrainische Militär verfüge im Gegensatz zu den prorussischen Milizen über Panzer und Flugzeuge. Ponomarew sagte, er habe „keinen direkten Kontakt“ mit Moskau.

+++16:55 Uhr: Aktivisten fordern russische Truppen in der Ost-Ukraine+++

Die prorussischen Kräfte in der ostukrainischen Stadt Slawjansk haben Russlands Präsidenten Wladimir Putin aufgerufen, Friedenstruppen zu ihnen zu schicken. Der „Bürgermeister“ der prorussischen Hochburg, Wjatscheslaw Ponomarew, sagte am Sonntag, die Bevölkerung von Slawjansk werde durch die rechtsextreme ukrainische Bewegung Prawy Sektor (Rechter Sektor) bedroht. Sie sei auch für die Schießerei in der Nacht zum Sonntag verantwortlich, bei der mehrere Menschen getötet wurden.

Slawjansk wird seit mehr als einer Woche vollständig von den Aufständischen kontrolliert. Zu der nächtlichen Schießerei in Bilbasiwka, 18 Kilometer westlich von Slawjansk, gab es widersprüchliche Angaben. Ponomarew sprach morgens von vier und nachmittags von fünf Toten, darunter drei prorussische Kämpfer und zwei Angreifer. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah zwei Leichen von prorussischen Kämpfern. Das ukrainische Innenministerium sprach von einem Toten und drei Verletzten.

+++14:35 Uhr: Prorussische Kräfte verhängen Ausgangssperre über Slawjansk+++

Im Osten der Ukraine haben prorussische Kräfte am Sonntag eine Ausgangssperre über die Stadt Slawjansk verhängt. „Zwischen Mitternacht und sechs Uhr früh ist es verboten, die Straßen zu nutzen“, sagte der selbsternannte Bürgermeister der Hochburg prorussischer Kräfte, Wjatscheslaw Ponomarew, vor Journalisten. Ponomarew rief den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf, Friedenstruppen in die Ostukraine zu schicken, um die Bevölkerung vor „Faschisten“ zu schützen.

Die Ausgangssperre trete noch am Sonntag in Kraft, sagte Ponomarew. Ein Lautsprecherwagen fuhr am Nachmittag durch die Stadt, um die Ausgangssperre auszurufen.

Ponomarew erklärte, die Bevölkerung von Slawjansk werde durch die rechtsextreme ukrainische Bewegung Prawy Sektor (Rechter Sektor) bedroht. Diese sei auch für die Schießerei in der Nacht zum Sonntag verantwortlich, bei der in der Nähe von Slawjansk vier Menschen getötet wurden. Es herrschten am Vormittag unterschiedliche Angaben zu der Anzahl der Toten.

+++ 12:00 Uhr: Behörden in Kiew sprechen von einem Toten und drei Verletzten+++

Nach Angaben von Behörden in Kiew ist bei der Schießerei in Slawjansk mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Drei Menschen seien bei den Schusswechseln in der Stadt im Gebiet Donezk verletzt worden seien, teilte das Innenministerium am Sonntag mit. Demnach handelte es sich um eine „bewaffnete Auseinandersetzung“ zwischen zwei Bürgergruppierungen. Die Hintergründe müssten geklärt werden.

Dagegen sprachen russische Staatsmedien sowie die prorussischen Uniformierten im Raum Donezk von mindestens fünf Toten, drei in den eigenen Reihen und zwei aufseiten der Angreifer. Insgesamt seien fünf prorussische Posten beschossen worden.

Das Außenministerium in Moskau verurteilte die Gewalt, bei der „unschuldige friedliche Menschen“ um Leben gekommen seien. Der Angriff des ultranationalistischen Rechten Sektors verletze die „österliche Ruhe“ und zeige, dass die Genfer Beschlüsse für eine Lösung des Konflikts nicht eingehalten würden.

Bürger in Slawjansk hätten von den überwältigten Angreifern Luftaufnahmen und Symbole des Rechten Sektors sichergestellt, teilte das Ministerium weiter mit. Die Beweise zeugten davon, dass die neuen Machthaber in Kiew kein Interesse hätten, Nationalisten und Extremisten zu entwaffnen und die Lage zu entspannen. Moskau forderte erneut, dass die Vereinbarungen der Genfer Anti-Krisen-Gespräche rasch umgesetzt werden müssten.

+++10: 52 Uhr:Mindestens fünf Tote in der Ostukraine+++

Nahe der ostukrainischen Stadt Slawjansk sind bei einem Schusswechsel an einem Kontrollpunkt pro-russischer Separatisten mehrere Menschen getötet worden. Der staatliche russische Sender Rossiya 24 sprach am Sonntag von fünf Toten. Er berichtete unter Berufung auf seinen Korrespondenten in Slawiansk, Bewaffnete hätten die Kontrollstelle beschossen. Bei dem Gefecht seien drei Separatisten ums Leben gekommen und zwei der Angreifer. Separatisten erklärten, sie seien angegriffen worden. Eine Stellungnahme des ukrainischen Innenministeriums war zunächst nicht zu erhalten.

Slawiansk wird von pro-russischen Separatisten kontrolliert. Der selbst ernannte Bürgermeister der Stadt erklärte nach Auskunft eines Reuters TV-Teams vor Ort, es sei in der Nacht zu einem Zusammenstoß gekommen und es gebe Opfer. Ein Reuters-TV-Reporter sah an der Kontrollstelle zwei Leichen, eine mit Schusswunden im Kopf. Einer der Toten trug demnach Kampfmontur, der andere Zivilkleidung. Die Polizei untersuche den Fall vor Ort.

Am Samstag hatte die ukrainische Regierung angekündigt, während der Osterfeiertage nicht gegen die Separatisten im Osten des Landes vorzugehen. Diese zeigten sich unbeugsam und harrten in den besetzten Regierungsgebäuden aus.

+++10:26 Uhr: Russland boykottiert Klitschko-Kampf im Fernsehen+++

Das russische Fernsehen will anscheinend auf eine Übertragung der Titelverteidigung des ukrainischen Box-Weltmeisters Wladimir Klitschko am 26. April in Oberhausen gegen den Australier Alex Leapai verzichten. „Kein russischer Sender will den Kampf übertragen“, sagte Klitschkos Manager Bernd Bönte der BILD am Sonntag. Klitschkos älterer Bruder Witali ist eine der zentralen Figuren der Proteste in der Ukraine. Seit der Krise um die Halbinsel Krim ist die Situation zwischen der Ukraine und Russland äußerst angespannt. Wladimir Klitschko hatte zuletzt im Oktober 2013 seine WM-Titel in Moskau gegen den russischen Herausforderer Alexander Powetkin erfolgreich verteidigt.

+++7:30 Uhr: Krieg der Worte zu Ostern+++

Auch die Osterfeiern haben keinen Frieden zwischen der Ukraine und Russland gebracht: Der Kiewer Patriarch Filaret beschwor am Samstag in seiner Osterbotschaft die Hilfe Gottes bei der „Wiederauferstehung“ der Ukraine und versicherte, der russische „Feind“ sei zum Scheitern verurteilt. Der Moskauer Patriarch Kirill rief dagegen die Gläubigen in der Christ-Erlöser-Kathedrale auf, dafür zu beten, dass das „Heilige Russland“ nicht zerstört werde.

Mit Blick auf die Eingliederung der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim in die Russische Föderation geißelte Filaret die Moskauer „Aggression“ und bescheinigte dem ukrainischen Volk, dass es „schwere Prüfungen“ durchmache. „Das Land, das uns die territoriale Integrität garantiert hat, hat eine Aggression begangen. Gott kann nicht auf der Seite des Bösen sein, daher ist der Feind des ukrainischen Volkes zum Scheitern verurteilt“, sagte der orthodoxe Patriarch.

Der Moskauer Patriarch Kirill forderte seinerseits im Ostergottesdienst die Gläubigen in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale auf, mit ihm für das „in der Ukraine lebende russische Volk“ zu beten und dafür, dass der Herrgott Frieden auf ukrainischem Boden walten lasse. Gott möge denjenigen Einhalt gebieten, die das „Heilige Russland“ zerstören wollten, indem sie die Ukraine abtrennten, sagte Kirill. In Russland gilt die ukrainische Hauptstadt Kiew als Wiege der Orthodoxie.

Bewaffnete in Tarnuniformen in der Messe

Kurz vor Mitternacht spielten die Glocken der Kathedrale von Sankt Michael in Kiew die ukrainische Nationalhymne für die hunderten Gläubigen, die in der Osternacht dort versammelt waren. In der von prorussischen Milizen besetzten Stadt Slawjansk nahmen auch Bewaffnete in Tarnuniformen an der Messe teil. Im Gegensatz zu den nationalistisch aufgeladenen Ansprachen in Moskau und Kiew vermied der Priester jedoch jede Erwähnung des Konflikts in der aufgeheizten Situation.

In Slawjansk wie in anderen Städten im Osten der Ukraine weigern sich die prorussischen Milizen, ihre Waffen niederzulegen und besetzte Gebäude zu räumen. Die Außenminister der Ukraine und Russland hatten sich am Donnerstag bei einem Krisentreffen in Genf zusammen mit US-Außenminister John Kerry und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton auf die „Entwaffnung illegaler bewaffneter Gruppen“ in allen Regionen, die Räumung besetzter Gebäude und eine Amnestie geeinigt.

Die Vereinbarung stößt aber auf Widerstand, da sowohl die proeuropäischen Paramilitärs in Kiew, als auch die prorussischen Milizen im Osten der Ukraine fordern, dass die jeweilige Gegenseite den ersten Schritt mache. Der Westen und Kiew verdächtigen Moskau, mit Sondereinsatzkräften den Aufstand zu unterstützen. Die USA forderten Moskau daher auf, seinen Einfluss auf die Milizen zu nutzen. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte jedoch, eine Normalisierung der Beziehungen hänge auch vom Westen ab.

„Größte Katastrophe dieses Jahrhunderts“

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk warf Putin vor, von der Wiederherstellung der Sowjetunion zu träumen. „Präsident Putin hat den Traum, die Sowjetunion wieder zu errichten“, sagte Jazenjuk in einem Interview mit dem US-Fernsehsender NBC, das am Sonntag gesendet werden sollte. Sollte ihm dies gelingen, wäre dies „die größte Katastrophe dieses Jahrhunderts“. Jazenjuk verurteilte in dem Interview auch die Verteilung anti-jüdischer Flugblätter durch prorussische Aktivisten im Osten der Ukraine.

Jazenjuk sagte, er werde die Sicherheitsdienste drängen, „diese Dreckskerle“ umgehend zu finden und vor Gericht zu bringen. Medienberichten zufolge hatten am Dienstag drei maskierte Männer die Flugblätter vor der Synagoge von Donezk verteilt, als die Gläubigen gerade einen Gottesdienst verließen. In den Flugblättern mit dem Symbol der selbsterklärten Republik Donezk wurden die Juden aufgerufen, sich registrieren zu lassen. Andernfalls würden sie deportiert und ihr Besitz konfisziert. (afp, sid, rtr, dpa)

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