Im Konflikt um die Ukraine schließt Russland nach eigenen Angaben eine militärische Reaktion nicht aus. Präsident Wladimir Putin schloss am Dienstag eine „militärisch-technische“ Reaktion auf das seiner Ansicht nach „unfreundliche“ Verhalten des Westens nicht aus. Sollte der Westen seine „eindeutig aggressive Haltung“ nicht aufgeben, „werden wir die angemessenen militärisch-technischen Vergeltungsmaßnahmen ergreifen“, sagte Putin bei einem Treffen mit Vertretern der russischen Armee und des Verteidigungsministeriums in Moskau.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu kritisierte bei der Sitzung mit Putin eine wachsende Militarisierung der Ukraine und eine Zunahme an Manövern an den Grenzen Russlands. Schoigu sagte, Moskau gehe davon aus, dass in der Region mehr als 120 Mitarbeiter amerikanischer privater US-Militärunternehmen im Einsatz seien, die mit ukrainischen Spezialeinheiten zusammenarbeiten. Diese bereiteten nach russischen Angaben „eine Provokation mit Chemiewaffen“ in der unruhigen und angespannten Ostukraine vor. Container mit „nicht identifizierten chemischen Bestandteilen“ seien an die Städte Avdeevka und Krasny Liman im Donbass geliefert worden, um Provokationen zu inszenieren, sagte Schoigu auf der Sitzung mit Putin. Schoigu gab keine weiteren Details oder Beweise für die angeblich geplanten Chemieangriffe bekannt. An der Sitzung nahm auch der oberste russische Militär, General Waleri Gerasimow, teil.

Außenminister Sergej Lawrow äußerte sich bei einer Pressekonferenz und warnte die USA und den Westen insgesamt davor, „rote Linien“ zu überschreiten. Die Nato dürfe sich nicht weiter den Grenzen Russlands annähern. Die Nato ihrerseits wirft Russland vor, eine Invasion der Ukraine vorzubereiten. Moskau bestreitet dies. Im Gespräch mit US-Präsident Joe Biden verlangte Putin zuletzt eine schriftliche Erklärung zu Sicherheitsgarantien sowie einen Verzicht auf eine Osterweiterung. Die USA und Russland haben verabredet, die bilateralen Differenzen, insbesondere um die Ukraine, zunächst auf diplomatischem Weg erörtern zu wollen.

Karen Donfried, stellvertretende US-Außenministerin, sagte am Dienstag in Washington, die US-Regierung werde mit Russland über alle offenen Fragen reden - und zwar bilateral. Dies bedeutet nicht, dass über die Sicherheit Europas außerhalb von Europa entschieden werde. Man werde die Nato und die EU rechtzeitig in die Gespräche involvieren. Der Rahmen könnte die OSZE sein, so Donfried laut Financial Times. (BLZ, mit AFP und dpa)