Nach seinen umstrittenen Aussagen bei einer Gala-Veranstaltung in Liechtenstein, muss sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß kritische Worte aus der Politik gefallen lassen.

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) sagte dieser Zeitung: „Uli Hoeneß hat von seiner Haftstrafe nur die Hälfte abgesessen. Die restlichen knapp zwei Jahre sind zur Bewährung ausgesetzt worden. Eine so frühzeitige Haftentlassung setzt aber zumindest voraus, dass der Straftäter einsieht, dass er etwas falsch gemacht hat. Die Einsicht fehlt bei Uli Hoeneß völlig.“

Die Bewährung von Hoeneß endet im Februar 2019. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich der Bayern-Boss an bestimmte Auflagen zu halten. Tut er dies nicht, könnte die Staatsanwaltschaft eine erneute Haftstrafe anordnen. Und genau diese Möglichkeit sieht der empörte Justizminister nun gegeben: „Hoeneß sieht sich sogar als Opfer der Medien und der Justiz. Worauf will man denn in einem solchen Fall eine positive Sozialprognose stützen? Und wenn die positive Sozialprognose fehlt, kann das Gericht die Bewährung prüfen.“

Hoeneß hatte seine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung ausgerechnet im Steuerparadies Lichtenstein kritisiert: „Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war. Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen. Aber in diesem Spiel habe ich klar gegen die Medien verloren“, hatte der 65-Jährige bei der Veranstaltung „meet the president“ in Vaduz gesagt. Die Schweizer Zeitung „Blick“(Mittwoch) veröffentlichte die Aussagen von Hoeneß.

"Halbstrafe und Hafturlaube haben Resozialisierung nicht gefördert"

Kutschaty spielt auch darauf an, dass Hoeneß bereits nach sieben Monaten Freigänger wurde. An Wochenenden durfte er anschließend nach Hause. „Klar ist für mich auch, dass es ganz offensichtlich ist, dass die Kombination von Halbstrafe, Hafturlauben und Aufenthalten in Privatkliniken die Resozialisierung nicht gefördert haben", sagt der SPD-Politiker. Ursprünglich war Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. (red)