Ein ehemals führender CSU-Mann wurde am Sonntag deutlich. „Die Politiker sollten das Maul halten“, sagte er dieser Zeitung und bat um Anonymität. „Das Thema Uli Hoeneß ist kein politisches Problem. Das muss er mit dem Finanzamt und der Staatsanwaltschaft klären.“ Ähnlich äußerte sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Er sei bereits vor geraumer Zeit über das Ermittlungsverfahren gegen den Präsidenten des FC Bayern informiert worden, erklärte der CSU-Chef der Abendzeitung. Der Rest sei Behördensache.

Obwohl die Christsozialen also abwiegeln, ist das Thema in Wahrheit natürlich politisch. Denn erstens geht es um jene moralische Vorbildfunktion, die der 61-jährige Hoeneß für sich unausgesprochen in Anspruch nahm. Unionsfraktionsvize Michael Meister nennt den Fall deshalb gravierend. „Hoeneß genießt in der Gesellschaft Popularität als Manager, der auch soziale Projekte vorangetrieben hat. Nun hat er vermutlich geltende Gesetze nicht nur über ein paar Tage, sondern über Jahre nicht beachtet. Das ist ein gewaltiges Problem für die Gesellschaft.“ Zudem setzten Menschen wie Hoeneß völlige Fehlanreize bei denen, die jährlich ihre Steuern zahlten. Sein Verhalten sei vor dem ehrlichen Steuerzahler nicht zu verantworten.

Hoeneß' Sympathie für die CSU

Politisch ist das Hoeneß-Verfahren zweitens vor dem Hintergrund des gescheiterten Steuerabkommens mit der Schweiz. Es sah vor, dass Schwarzgelder deutscher Anleger in der Alpenrepublik für zehn Jahre rückwirkend mit bis zu 41 Prozent versteuert werden sollten – zugunsten des deutschen Fiskus. SPD und Grüne hatten kritisiert, dass damit Steuerbetrug nachträglich legalisiert würde. Sie stoppten das Abkommen Ende 2012 im Bundesrat. Hoeneß räumte nun auch ein, dass er auf das Abkommen gehofft habe.

Drittens ist der Steuerbetrug regionalpolitisch brisant. Hoeneß’ Sympathie für die CSU ist seit langem bekannt. Umgekehrt ist Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) Dauergast auf der Bayern-Tribüne. Der Klub ist Image- und Wirtschaftsfaktor für den Freistaat. Schon geistert der Verdacht umher, der Schöpfer des modernen FC Bayern könne inoffiziell einen Tipp bekommen haben, um sich rasch selbst anzuzeigen. Hätte er zum Zeitpunkt der Selbstanzeige nämlich offiziell Kenntnis von laufenden Ermittlungen gehabt, wirkte die Selbstanzeige nicht mehr strafmildernd.

Dass die CSU schweigt, mögen manche als Indiz werten, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging. Belege gibt es dafür nicht.